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D-Tour: Marburg, Menschen, Material

MARBURG – Die Universitätsstadt Marburg hat einige Monate dem Etappenstart der Deutschland Tour entgegengefiebert: Entsprechend groß fielen das Radsportfest und die Begeisterung aus, mit der man die Radprofis ins Rennen schickte.

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„Fahrradstadt“ ist sie ja bereits, aber nun nicht mehr ausschließlich für den Breitensport. Mit der Deutschland Tour ist Radfahren auch als Spitzensport in der Universitätsstadt Marburg angekommen – und das ganz wörtlich. 132 Etappensieger der Tour de France, Welt-, Europa- und Landesmeister sowie Radsport-Ikonen haben sich am Freitag (30.08.) in der Biegenstraße eingefunden, um in die zweite Etappe zu starten. Die Stadt hat das mit ihrem „Fest des Radfahrens“ gefeiert.

„Radfahren wird bei uns in der Fahrradstadt Marburg ganz großgeschrieben“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies vor dem Rennstart der Radprofis in der Biegenstraße. Umso mehr freue es ihn, „so viele namhafte nationale und internationale Radprofis bei uns zu haben und ihnen den Start in die zweite Etappe zu bieten“. Für Stadträtin und Sportdezernentin Kirsten Dinnebier ist die Deutschland Tour in Marburg eine „einmalige Gelegenheit, Spitzensport hautnah zu erleben“. Beide waren begeistert, dass ein Millionenpublikum in 190 Ländern Bilder aus Marburg auf die Bildschirme übertragen bekommt. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) berichtete vom Start in die zweite Etappe in Marburg.

Doch nicht nur vor den Fernsehern versammelten sich Radsport-Fans, sondern auch live am Start-Bereich vor dem Marburger Kunstmuseum in der Biegenstraße. Gebannt verfolgten sie, wie sich die Radprofis im Startbereich positionierten, vor das ein rotes Band gespannt wurde. Das schnitt Jens-Uwe Münker, Leiter der Sportabteilung im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, durch. Dann zählte die Menge die letzten zehn Sekunden bis zum Start runter und der OB schwenkte pünktlich um 11.50 Uhr die rote Deutschland Tour-Fahne. Zuvor hatte sich unter anderem Pascal Ackermann, Sieger der ersten Etappe, darauf mit seiner Unterschrift verewigt. Diese Fahne wird einen Ehrenplatz innerhalb der Marburger Verwaltung erhalten, um noch lange an diesen besonderen Augenblick zu erinnern.

Zeitgleich mit der Elite machte sich auch Mark Losert in einem VIP-Begleitfahrzeug auf den Weg nach Göttingen. Der 45-Jährige hatte das In-Race-Ticket gewonnen, das die Stadt Marburg in Kooperation mit der Gesellschaft zur Förderung des Radsports (GFR), Veranstalterin der Deutschland Tour, verlost hatte. Bereits vor dem Renn-Start traf der Gladenbacher seinen persönlichen Guide: Straßenradrennfahrer Andreas Stauff. Er begleitete Losert an Bord eines offiziellen In-Race-Fahrzeuges im Renntross nach Göttingen. „Ein Profi-Radrennen so erleben zu dürfen, gleicht fast einem Lottogewinn, ich bin total happy“, sagte Losert, der in seiner Freizeit oft selbst Rennrad und Mountainbike fährt. Radrennen sieht er sich sonst im Fernsehen an, das Live-Erlebnis war daher für ihn etwas ganz Besonderes.

Fotos: Stephan Dietel/Alexander Trofimow/Simone Schwalm/Georg Kronenberg/Inflamesports/Stefan Roß/Marcel Hilger (Deutschland Tour)/Dominik Kimyon

Auch viele weitere Radsport-Fans verfolgten gespannt, als sich die 132 Fahrer der 22 Teams auf der Bühne für das Rennen einschrieben und interviewt wurden. Die Gäste aus Nah und Fern nahmen außerdem gern die Möglichkeiten wahr, die das von der Stadt ausgerichtete „Fest des Radfahrens“ bot. Ob kostenlose Reinigung des eigenen Zweirads in der Fahrrad-Waschanlage direkt neben dem Erwin-Piscator-Haus (EPH) oder eigene Müsli-Mischung-Zubereitung am Stand der „Gesunden Stadt“: die Besucher ließen sich das Fest im wahrsten Sinne des Wortes schmecken.

Nachwuchs auf Laufrädern unterwegs

Diese gesunde Stärkung kam besonders auch den kleinsten Gästen zugute, nachdem sie zuvor hochmotiviert beim Bambini-Rennen mit ihren Laufrädern teilgenommen hatten. Zwischen zwei und fünf Jahre alt waren die kleinen Teilnehmer*innen, die jeweils zu viert oder zu fünft an den Start gingen. Mitglieder des Radsportvereins „Dynamo Bortshausen“ hatten mit Kreide eine Rennstrecke auf den Vorplatz des Hörsaalgebäude „Audimax“ gemalt und wiesen den jüngsten Rennfahrern den Weg. Enrico beispielsweise blieb an diesem Vormittag sogar der Kindertagesstätte fern, weil er unbedingt mitmachen wollte. Das hat sich gelohnt: Der Vierjährige holte den ersten Platz.

Doch auch für alle anderen Teilnehmer gab es zahlreiche Preise: Urkunden, Trinkflaschen, Luftballons. Enrico, der Zweitplatzierte Ayden und die Drittplatzierte Ronja erliefen sich außerdem zusätzlich Klingeln und Tröten für ihre Rädchen. Zuvor hatten sich viele Kinder mit ihren Eltern bereits die rasante Bike-Show des Trial-Teams „Trinity“ angesehen. Die Brüder Baak, Luca, 13 Jahre, und Rico, 26 Jahre, begeisterten das Publikum mit ihren Stunts. Rico Baak erzählte den kleinen Zuschauern, dass sein jüngerer Bruder seine Karriere ebenfalls mit zwei Jahren auf dem Laufrad begonnen hatte. Beide sind erfolgreich in nationalen und internationalen Wettbewerben und begeistern mit ihren Shows.

Deutschland Tour verbindet Partnerstädte

Stadträtin Kirsten Dinnebier macht sich Samstag (31.08.) mit einer Delegation auf den Weg nach Eisenach, um die Ankunft der Rennfahrer zu verfolgen. Nachdem die Profis in Marburg in ihre längste Etappe von 202 Kilometern nach Göttingen gestartet waren, fuhr sie von der niedersächsischen Universitätsstadt aus 189 Kilometer in Marburgs Partnerstadt Eisenach, das Ziel der 3. Etappe. Dinnebier freut sich bereits auf die Ankunft der Rennfahrer und sagte: „Sport verbindet – mit der Fahrt in unsere Partnerstadt Eisenach, die ebenfalls Etappenort ist, kann man das Motto gar nicht besser füllen.“

Das Begleitprogramm, zu dem darüber hinaus eine Ausstellung von Elektro- und Rennrädern einschließlich kostenlosem Fahrrad-Check-up mehrerer Radhändler gehörte, hatte Björn Backes, Leiter des Fachdienstes Sport, mit seinen Mitarbeiter organisiert. Ihn freute vor allem die positive Resonanz der Radsport-Fans. Diese hatten sich bereits am frühen Vormittag in Biegen- und Deutschhausstraße eingefunden, die für den Tag einer Fan-Meile für Radsport-Begeisterte glich. Vor vielen der 22 Teambusse warteten Besucher aus Nah und Fern darauf, einen Blick auf ihre Idole zu erhaschen. Spätestens aber waren die 132 Profis für alle zu sehen, als sie über die Bühne rollten und sich für das Etappenrennen einschrieben.

Zwar nicht um die Wette, dafür um Ausdauer ging es den Teilnehmern, die im Anschluss an den zweiten Etappenstart der Deutschland Tour auch selbst auf den Sattel stiegen: „Dynamo“ hatte Ausfahrten für Radsportler auf drei Strecken, von 50, 90 und 120 Kilometern Länge, organisiert. Am Treffpunkt vor dem EPH versammelten sich rund 50 Radfahrer, die nach dem Rennstart der Profis ebenfalls hochmotiviert in die Pedale traten.

(Text: pm | Foto: Marcel Hilger (Deutschland Tour))

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