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DBM: Plattfuß lässt Heimsieg noch platzen

BIEBERTAL – Für viele war er der Höhepunkt des Jahres oder der Abschluss einer langen Saison, doch nicht für alle endete der 13. Dünsberg-Bike-Marathon wie gewünscht. In jedem Fall war es ein packender Renntag am mittelhessischen Hausberg.

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Ein unsichtbarer Gegner, der ewig lauert und besonders vor heimischem Publikum schmerzlich trifft, hat das Rennen von Noah Jung beim 13. Dünsberg-Bike-Marathon durchkreuzt: Der Defektteufel hat dem Wiesecker den scheinbar sichereren Sieg auf der Minimarathon-Distanz genommen.

Ebenfalls unsichtbare Gegner stachelten den Vetzberger Niclas Zimmer (RSG Gießen und Wieseck) derart an, dass er sich bei seinem Sieg auf der Kurzstrecke sogar das Jubeln verkniff. Aber von vorne.

Vier Rennen auf drei Distanzen gingen beim 13. Dünsberg-Bike-Marathon im Abstand von 15 Minuten bei Start und Ziel an der Biebertaler Großsporthalle auf die Strecke. Den Anfang machte eine Gruppe Pedelecs, die aufgrund derzeit noch fehlender Reglements in dieser Kategorie nur mit Zeitnahme aber ohne Platzierung fuhren und dennoch viel Spaß auf 28,9 Kilometern rund um den Dünsberg hatten. „Die Strecke war richtig gut“ freute sich Annett Förster vom Team delta-bike.de, als eine von acht Pedelec-Teilnehmerinnen. Die Regenschauer der Tage zuvor und die Vorbereitung des ausrichtenden AMC Rodheim-Bieber versetzten die Strecke in einen „Topzustand“, wie Organisationsleiter Thomas Gerlach bei der Fahrerbesprechung verkünden konnte. Einzig die drohenden grauen Wolken zwischen kurzen sonnigen Momenten am Morgen dürften die gewünschten Nachmeldungen für die drei Streckenlängen etwas verhaltener ausfallen lassen haben.

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (1/16)

Kurzer Plausch vor dem Start: Organisationsleiter Thomas Gerlach (links) im Gespräch mit Lokalmatador Christopher Platt (beide AMC Rodheim-Bieber). Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (2/16)

Die Startpistole gen Himmel gerichtet: Die Biebertaler Bürgermeisterin Patricia Ortmann gab die Startschüsse für die vier Rennklassen. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (3/16)

Jeder Starter unterstützt: Ein Teil des Startgeldes geht traditionell an die Tour der Hoffnung, die sich für kranke Kinder und Jugendliche engagiert. Wolfgang Rinn, im Trikot der Tour der Hoffnung, ist langjähriger Unterstützer und Mitwirkender der Tour. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (4/16)

Ein schöner Rücken: Das neue Radtrikot der Sportfreunde Burkhardsfelden hält auch einen Leitspruch parat. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (5/16)

Konzentriert: Die Lokalmatadore stehen in erster Reihe und blicken dem Start ihres Rennens entgegen. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (6/16)

Siegreiches Paar: Marian Kopfer und Vanessa Schmidt sind am Ende des Renntages in ihren Rennklassen erfolgreich. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (7/16)

Geballte Erfahrung: Routinier Thomas Hockauf (links) und der aufstrebende Noah Jung, beide von der RSG Gießen und Wieseck, fahren seit Jahren erfolgreich für das Team DELTA-BIKE.DE. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (8/16)

Start frei: Das Rennen setzt sich in Richtung des Dünsbergs, dem 498 Meter hohen mittelhessischen Hausberg, in Bewegung. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (9/16)

Den Anstieg vor sich, die Burg Gleiberg im Rücken: Der Dünsberg-Bike-Marathon bietet jedes Jahr auch interessante Plätze zum Zuschauen. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (10/16)

Biken statt berichten: Radsportnachrichten.com-Redakteur Tobias Zappe nahm den Dünsberg-Bike-Marathon selbst unter die Räder. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (11/16)

Der Experte setzt sich durch: Sascha Starker von der SSG Bensheim im Trikot des Stenger-Bike-Team gewinnt nach der Kurzstrecke im Vorjahr diesmal auf der Langstrecke. Foto: Matthias Steinberger

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (12/16)

Lassen das Rennen in gemeinsamer Runde Revue passieren: Die Radsportnachrichten.com-Redakteure Tobias Zappe (links) und Matthias Steinberger (rechts) im Gespräch mit Vanessa Schmidt und Marian Kopfer. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (13/16)

Saisonhöhepunkt unter Freunden: Eine Gruppe vom AMC Rodheim-Bieber freut sich über die Zielankunft beim Heimrennen. Foto: Matthias Steinberger

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (14/16)

Doppelte Stärkung nach sportlichen Strapazen: Die gemeinsame Teilnahme stärkt die Freundschaft, der Kuchen gibt neue Kraft. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (15/16)

Wenn nicht die bloße Teilnahme zählt: Pokale warten auf die schnellsten Teilnehmer. Foto: Stephan Dietel

Bilderstrecke: 13. Dünsberg-Bike-Marathon (16/16)

Aufs Treppchen geschafft: Auf den drei Streckenlänge galt es unterschiedliche Altersklassen-Erfolge zu ehren, bevor die 13. Auflage des Dünsberg-Bike-Marathon zu Ende ging. Foto: Stephan Dietel

Saisonabschluss mit Makeln

48 Starter gingen auf die 84,3 km Langstrecke (1.980 Höhenmeter), 119 auf die 55,4 km (1.371) der Kurstrecke und 206 Fahrer nahmen den 28,9 Kilometer kurzen, aber nicht minder anspruchsvollen Minimarathon unter die Räder. Etwas über eine Stunde sollte es dauern, bis die ersten Fahrer der kürzesten Distanz wieder im Ziel sein würden. Dass dann sein Name zu hören ist, hatte sich Lokalmatador Noah Jung von der RSG Gießen und Wieseck im Trikot des Team delta-bike.de vorgenommen und dafür auch einige Reisestrapazen auf sich genommen, denn am Vortag stand für ihn noch das Finale der Mountainbike-Bundesliga in Titisee-Neustadt im südlichen Schwarzwald als vorletztes Rennen im Saisonplan. Ein defekter Verschluss an seinem Schuh musste dort nach einem Sturz notdürftig repariert werden. Platz 36 ließ ihn dann immerhin noch auf Rang zehn in der Bundesliga-Gesamtwertung kommen. Umso mehr sollte ein Sieg beim 13. Dünsberg-Bike-Marathon seine Saison versöhnlich abschließen und es sah zunächst gut aus. Direkt nach dem Start konnte Jung eine Lücke zwischen sich und seinem Verfolger, Marian Kopfer (training-mit-koepfchen.de), entstehen lassen, die er bis zum Dünsberg ausbaute. Als nach knapp einer Stunde die Zuschauer von der Strecke zum Ziel zurückkehrten, folgte die überraschende Nachricht: Jung hatte einen Reifenschaden und die Führung an Marian Kopfer, seinen Verfolger und damit den diesjährigen Gesamtsieger des Minimarathons verloren. Hinter Mauritz-Jakob Verhoeven (RSG Gießen und Wieseck) wurde Jung mit schleichendem Plattfuß, der ihn vor allem Kurven nicht mehr schnell und sicher fahren ließ, noch Dritter der Herrenklasse.

Souveräner Frauen-Sieg

Vanessa Schmidt (Specialized Racing/training-mit-koepfchen.de) fuhr überragend und wurde mit über 13 Minuten Vorsprung souveräne Siegerin der Juniorinnen/Damen vor Stephanie Frank und der Drittplatzierten Natascha Fischer vom RSC Grünberg. Fischer hätte sich lieber eine staubtrockene Strecke gewünscht, um mehr auf Tempo denn auf Fahrtechnik setzen und die 1:14 Minute vor ihr platzierte Frank noch stellen zu können. In der Masters-Kategorie 1 gewann Thomas Hockauf (RSG Gießen und Wieseck) vor Oliver Best (Team Olibär) und Wolfgang Rinn (RV Gießen-Kleinlinden). Sein Heimrennen hatte für Hockauf auch die Funktion eines Formtests, denn in der nächsten Woche beginnt für ihn bereits die neue Radcross-Saison. „Da sind dann einige Granaten, Weltmeister und Olympiateilnehmer dabei. Aber ich fühle mich gut und für mich ist das gut“, freute sich Altersklassensieger Hockauf über seine Verfassung auf dem Mountainbike.

Vorsprung statt vermuteter Nähe

Seine perfekte Streckenkenntnis setzte der Vetzberger Niclas Zimmer in den Gesamtsieg auf der Kurstrecke um. Doch das Rennen war für ihn keineswegs einfach, wenngleich sein Zieleinlauf mit kurzem Vorderradlupfer auf dem Zielstrich den Eindruck erwecken konnte. Dass Zimmer über drei Minuten Vorsprung auf seinen Verfolger, den Senioren-1-Sieger Jonas Müller (Sportler ruft Sportler) hatte, war ihm nämlich nicht bewusst. „Die erste Attacke bin ich am Vetzberg gefahren. Da war ich schon alleine. Dann habe ich noch auf einen gewartet. Bei Kilometer 15 ist der dann auch wieder abgeplatzt und ich war schon wieder alleine, obwohl ich das gar nicht wollte. Dann dachte ich mir: Warte ich jetzt wieder oder fahre ich durch. Ich bin dann durchgefahren“, schildert Zimmer sein einsames Rennen an der Spitze, bei dem er die Verfolger aber ständig hinter sich wägte. „Ich wusste ja nicht, wieviel Vorsprung ich hatte. Dann bin ich schon immer ziemlich am Limit gefahren. Aber ich musste aufpassen, dass ich nicht wie im Vorjahr wieder zum Ende hin einbreche“, lieferte Zimmer auch die Erklärung dafür, dass nach 55,4 Kilometern der Wink mit dem Vorderrad einen ausgiebigen Jubel ersetzen musste. Zweiter der Herren/U23 wurde Pierre Happel (MSC Salzbödetal/Team Cmtb) vor Christopher Platt (Team delta-bike.de) vom AMC Rodheim-Bieber. Für den ehemaligen Nationalkaderfahrer und Ex-Profi war das Rennen mit 2:23 Stunden ungewohnt lang. Nachdem sich erste Krämpfe ankündigten, musste er sogar einen Moment vom Rad und zu Fuß gehen, um die Muskulatur zu lockern. „Das trainiere ich ja alles nicht mehr. Keine Grundlagen, keine Intervalle. Da fehlt die Substanz. Aber es ist ja noch ein bisschen was da, das man abrufen kann, auch wenn es nicht mehr das ist, was es einmal war“, sagte Platt, die inzwischen „nur noch nach Lust und Laune“ fährt und sich nun auf seine berufliche Karriere statt aufs Mountainbiken konzentriert. Platz drei beim Heimrennen stimmte ihn aber sehr zufrieden.

Randnotizen vom Renntag

Einteilung

Strecken im Sport sind immer eine Sache der Einteilung. Das gilt für die Krafteinteilung der Teilnehmer und, wie beim Dünsberg-Bike-Marathon, manchmal auf für den Ausrichter. Der Minimarathon hörte sich für machen Zuschauer vielleicht verlockend leicht an; war aber mit seinen 28,9 Kilometer und einer Siegerzeit von 01:07 Stunde bei Weitem keine Spazierfahrt. Minimarathon und Kurzstrecke könnten man getrost, wie bei anderen ähnlichen Veranstaltungen, in Kurz- und Mittelstrecke umbenennen, befand auch der Streckensprecher.

Wetter-Roulette

„Ich erwarte, dass es wie angekündigt, frühestens ab 14 Uhr regnet“, sagte Organisationsleiter Thomas Gerlach mit gelassenem Blick gen Himmel, bei der Frage nach seinen Erwartungen an den Ablauf des Renntages. Das Wetter-Roulette meinte es in der Tat gut mit den Biebertaler Marathon-Bikern, die statt Dauerregen nur ein paar Tropfen zum Zieleinlauf der Langstrecke verkraftet mussten. Und da war der Großteil des Renntages bereits in trockenen Tücher und die Siegerehrung in der Biebertaler Großsporthalle im Gange.

Gemeinsamkeit

Der AMC Rodheim-Bieber mobilisiert für den Bike-Marathon jedes Jahr eine stattliche Zahl an Helfern. Die kommen aber nicht nur aus den eigenen Reihen: Genehmigungsbehörden, ortsansässige Sponsoren, große und kleine Vereine, wie die Kultur – und Sportgemeinschaft Bieber e.V., der Lauftreff 1974 Biebertal e. V., die SKG 1888 e.V. Rodheim-Bieber, der Schützenverein 1964 Hohensolms und nicht zuletzt Feuerwehr und Polizei tragen zum Gelingen der Großveranstaltung bei, denn beim Dünsberg-Bike-Marathon zieht es jährlich Viele zum sportlichen Kräftemessen an den Fuß des weithin sichtbaren Hausberges.

WM-Teilnehmer macht das Rennen

Und dann wartete man auf die Zielankunft der Langstrecke, die in früheren Jahren einmal ausgefallen war. Auch wenn man zwei Zähler und den geforderten 50 Fahrern blieb, um sie stattfinden zu lassen, gab das Orga-Team des AMC der Langstrecke in diesem Jahr die Chance zur Austragung. Mit 84,3 km und 1.980 Höhenmeter war sie etwas für Experten. Ein ebensolcher war Sascha Starker von der SSG Bensheim/ Stenger-Bike-Team. Der Gesamtneunten und Elite-Siebte der diesjährigen Marathon-Weltmeisterschaft war als Vorjahressieger auf der Kurzstrecke froh, dass es diesmal die langersehnte Langstrecke rund um Biebertal gab. Keine Überraschung, sondern Ergebnis eines tadellosen Rennens war sein Sieg nach 03:21 Stunden vor Christoph Hartmann (Eighty-Aid) und dem Haigerer Florian Anders von der RSG Gießen und Wieseck/Team delta-bike.de. „Das war schon eine Nummer. Da haben die Beine richtig gebrannt“, zeigte sich Anders zufrieden mit seinem Rennen und der Tatsache, dass das Dünsberg-Plateau nur einmal überquert werden musste. “Die erste halbe Stunde hat richtig wehgetan. Die sind losgefahren wie die Bekloppten“, gestand Routinier Christian Schmidt (RSG Gießen und Wieseck/Team delta-bike.de). Dann sei es für ihn aber „entspannt“ gewesen. Seinen Sieg bei den Senioren 3 vor Günther Reitz (Team Firebike-Handelshof) und Stefan Müller (AMC Rodheim-Bieber) konnte auch ein platter Reifen nicht verhindern. Und nachdem er an einer Verpflegungsstelle Luft nachgepumpt hatte, ging es ungehindert gen Ziel. Das hätte sich auch Erik Büchele vom ausrichtenden AMC Rodheim-Bieber gewünscht, dem man ein gutes Abschneiden auf der Langstrecke zugetraut hatte. Doch ein spitzer Stein hinterließ ein sichtbares Loch im Reifen, so dass sein Rennen vorzeitig beendet und die Geschichte seiner Teilnahme beim 13. Dünsberg-Bike-Marathon damit geschrieben war.

Gesamtsieger 29 km

Herren
1. Marian KOPFER, TV Haiger / training-mit-koepfchen.de
2. Mauritz VERHOEVEN, RSG Gießen & Wieseck
3. Lukas HUMMEL, TGV Schotten e.V. / HWG Gedern

Frauen
1. Vanessa SCHMIDT, MSC Salzbödetal / Specialized Racing
2. Stephanie FRANK
3. Natascha FISCHER, RSC Grünberg / 2Fast-Bikes

Gesamtsieger 55 km

Herren
1. Niklas ZIMMER, RSG Gießen & Wieseck / Hipf Race Bikes
2. Jonas MÜLLER, Sportler ruft Sportler
3. Florian EITEL, Rhein-Neckar-Racing

Frauen
1. Amelie HILD, TV Schlüchtern / RSG Placeworkers
2. Jessika ECKHARDT, RV Blitz Spich
3. Alexandra VERHOEVEN

Gesamtsieger 84 km

Herren
1. Sascha STARKER, Stenger-Bike-Team
2. Keke DÖRNBACH, Cycletec Centurion
3. Sebastian BREUER, cycling Team Bochum / Team Lenas Coffee Brand

Frauen
1. Annika MARZINA, SIG Koblenz MTB-Racing
2. Steffani JANKO, EGF Bunstruth Racing

(Text: sd | Foto: Stephan Dietel)

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