„Tür zur Tour“ (4): Das Ziel vor Augen

Team Bora-Argon18 bei der Tour de France [Dieser Artikel benötigt eine Lesezeit von circa 3 Minuten]

SPIEZ – Nicht nur die Fahrer dürften sich auf die Zielankunft freuen: Nach drei Wochen Tour de France klingt auch in Jan-Niklas Drostes aktuellem Bericht am zweiten Ruhetage der Tour die Vorfreude auf die Zielankunft in Paris durch.

Seit Beginn der 103. Tour de France gibt der ehemalige Gießener und Ex-Radprofi Jan-Niklas Droste für die Nutzer von Radsportnachrichten.com mit der Serie „Tür zur Tour“ einen Einblick in seine Arbeit im Medical Team der deutschen Mannschaft Bora-Argon 18. Er öffnet damit die Tür zur Tour und liefert interessante Impressionen. (sd | Foto: Jan-Niklas Droste)

Von Jan-Niklas Droste:

Hallo vom zweiten Ruhetag der Tour de France.

Mittlerweile sind wir drei Wochen unterwegs, haben 16 von 21 Etappen hinter uns und sind in der Schweiz angekommen. Gestern ging es über 208 weitestgehend flache Kilometer über die Grenze in die Schweiz – eigentlich auf dem Papier eine angenehme Etappe – zu Beginn der dritten Woche…

Es kam dann aber anders. Tony (Martin) wollte gestern den Tag nicht im Feld verbringen und attackierte mit seinem Teamkollegen aus dem Feld heraus. Meistens heißt so etwas für das Feld nichts Gutes auf einer flachen Etappe und so wurden die ersten Rennstunden mit knapp 50 km/h Stundenmittel bewältigt. Keine wirkliche Zeit für Erholung also… 😉

Bei der Einfahrt nach Bern hatte das Feld Tony dann aber eingeholt und es folgte dann nochmal ein besonders anspruchsvolles Finale mit vielen Richtungswechseln, Kopfsteinpflasterpassagen und einem Anstieg bis zur 1000m-Marke. Eigentlich sollte es wie gemacht sein für den Berner Fabian Cancellara, der seine letzte Tour de France bestreitet. Am Ende reichte es für ihn dann aber nicht, sondern Peter Sagan sicherte sich seinen dritten Tagessieg in einem unglaublich knappen Sprint.

Auch für uns ging die Etappe mit einem freudigen Ergebnis aus. Patrick Konrad, der junge Österreicher aus unserer Mannschaft, der seine erste Landesrundfahrt bestreitet konnte im Finale mit den Besten mitfahren und wurde am Ende 12.

Heute heißt es für die Fahrer aber erst einmal Kräfte sammeln bevor das große Finale in den Alpen ansteht. Das haben sich die Jungs auch wirklich verdient. Die letzten Tage waren auch auf den Flachetappen extrem schwer, da es jeden Tag stürmte und bei solchen Bedingungen auch ein leichtes Streckenprofil super anspruchsvoll werden kann… Ein besonderer Moment (über den man sicher streiten kann) war, als Froome im Anstieg zum Mont Ventoux nach dem Sturz, der durch ein Begleitmotorrad ausgelöst wurde spontan einfach ohne Rad den Berg weiter hoch lief, da sein Materialfahrzeug zu weit hinter der Spitzengruppe fuhr. Das sind Bilder die ich sicher nicht vergessen werde. Er fährt mit seiner Mannschaft eine wirklich super starke Tour und war bis jetzt der Favoritenrolle und dem gelben Trikot absolut gerecht!

Den „rennfreien“ Tag verbringen wir heute mit bester Aussicht auf den Thunersee in den Schweizer Bergen. Vier schwere Tage, hohe Berge, wunderschöne Panoramen und viel Schweiß trennen uns jetzt noch vom großen Finale in Paris. Drückt uns die Daumen, dass Sonntag alle zufrieden auf der Champs-Elysees einmal tief durchatmen können und wir auch in der letzten Woche an die gute Bilanz anknüpfen können! Emu (Buchmann) ist immer noch 21. der Gesamtwertung und Sam Bennett hat nach seinem schweren Sturz auf der ersten Etappe bei der letzten Sprintankunft wieder vorne mitgekämpft – ich glaube aber das man sieht, dass alle unsere Jungs eine super Tour fahren und ihr bestes geben!

Daumen drücken für @BoraArgon18 und ich melde mich aus Paris wieder!

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