Zehn zum Zehnten (26): Tipps für Frühjahrsservice

GIESSEN – In unserem Format „Zehn zum Zehnten“, in Zusammenarbeit mit dem pressedienst-fahrrad, geben wir heute in zehn Punkten hilfreiche Tipps und Tricks für den Frühjahrsservice am Fahrrad.

1. Vorbereitung und Werkzeug

Rechtzeitig mit dem Rad‐Check zu beginnen, ist das A und O, denn nur so bleibt vor der ersten Radtour noch ausreichend Zeit für unvorhergesehene Reparaturen. Den Check am Sonntag zu machen, ist suboptimal, denn dann sind die Radläden geschlossen: Ersatzteile oder nötige Pflegemittel müssen warten. Im ersten Schritt ist die richtige Grundausstattung wichtig: Wassereimer, Putzmittel, Kettenöl und Bürste dürfen nicht fehlen. Zusätzlich lohnt es sich immer, ein Minitool „auf Tasche zu haben“, z. B. das „Little 15“ von M‐Wave mit 15 Funktionen (17,90 Euro). Die kleinen Helfer bieten in der Regel die wichtigsten Funktionen für den heimischen Frühjahrs‐Check parat. Praktisch sind Exemplare, die einen Reifenheber integriert haben, z. B. „ICM Intensive Care Unit 15“ von Pedro’s (26,99 Euro), dann gelingt auch der Schlauchwechsel.

2. Kette reinigen

Die Kette ist meist das am hartnäckigsten verdreckte Teil am Fahrrad. Deshalb fängt man bei der Reinigung am besten hier an. Für groben Dreck nutzt man eine spezielle Kettenbürste, die durch die Form ihrer Nylonborsten das Säubern von Kette, Kassetten und Kettenblättern vereinfacht (z. B. „WGr6“ von Voxom, 7,95 Euro). Alternativ geht auch eine alte Zahnbürste. Anschließend lässt man die Kette einfach durch einen trockenen Lappen laufen und entfernt so das alte Kettenöl und den restlichen Schmutz. Für besonders Reinliche hat Tunap Sports einen extra „Antriebsreiniger“ (12,95 Euro/300 Milliliter) im Programm. Der integrierte spezielle Reinigungspinsel sorgt dafür, dass der Reiniger direkt in die Zwischenräume der Kette gelangt. Wichtig ist beim Putzen, die Kette gleich auch auf Verschleiß zu überprüfen. Ketten längen sich, vom Rost begünstigt, und müssen deshalb mit der Zeit ersetzt werden. Den Austausch nimmt am besten der Fachmann vor.

3. Bremsen checken

Für einen ersten den Bremsen‐Check eignet sich ein schneller Test: Berührt der Bremshebel beim Anziehen den Fahrradgriff, ist ein Service zwingend fällig. Entweder müssen die Bremszüge nachgestellt werden, die Bremsleitung entlüftet oder der Austausch eines verschlissenen Bremsbelags steht an. Bei Felgenstoppern zeigen Kerben in den Bremsklötzen auch dem Laien, ob es noch Reserven gibt. Bei Scheibenbremsen gilt der Richtwert von einer Mindestbelagdicke von 1,5 Millimetern. Ein weiterer Indikator für einen notwendigen Austausch sind u. a. kratzende oder metallische Geräusche beim Bremsen. Für die wachsende Zahl an Scheibenbremsenrädern gibt es mittlerweile auch spezielle Reinigungsmittel. Der „Scheibenbremsenreiniger“ von M‐Wave (9,90 Euro/400 Milliliter) befreit die Bremsanlage schonend von Bremsstaub, Ölresten und Fett. Hydraulische Bremsanlagen sollten aber einmal jährlich entlüftet werden, was der Fachmann gerne übernimmt. Bei Felgenbremsen macht ein bisschen Öl in der Öffnung der Zughülle und am Bremsgriff den Bowdenzug leichtgängiger. Keinesfalls darf Öl auf die Bremsbeläge kommen! Falls die Bremse weiterhin nicht griffig ist, wird ein Wechsel des Bremszugs unvermeidlich. Da die Bremse ein sicherheitszentrales Bauteil ist, sollten Sie beim kleinsten Zweifel die Fachwerkstatt konsultieren.

4. Felgen‐ und Reifen‐Check

Beim Prüfen der Bremsen lohnt sich zusätzlich der Blick auf Reifen und Felgen. Eine Rille auf der Felgenflanke zeigt beispielsweise an, ob die Felge wiederum verschlissen ist. Wenn das Rad beim Drehen schleift, kann ein „Achter“ der Grund dafür sein. Es kann sich aber auch Dreck im Schutzblech angesammelt haben und den Durchlauf verengen oder der Radschützer hat sich etwas verbogen. Das zeigt sich meist durch leicht reibende Geräusche und ist schnell beseitigt. Auch sollten alle Speichen fest sein und unter ähnlicher Spannung stehen. Lose Speichen können schnell die Stabilität beeinflussen und zu Stürzen führen.

Den Reifen muss man auf Risse und Beschädigungen prüfen, kleine Eindringlinge in der Lauffläche sollte man entfernen, bevor sie sich zum Schlauch durchfressen. Lange vor einem Defekt am Profil sind bei vielen Reifen die Seitenwände schon beschädigt. Das lässt sich durch den richtigen Reifendruck vermeiden. Spätestens, wenn der Pannenschutz und die Karkassefäden zu sehen sind, ist der Reifen zu tauschen.

Bei Reifen und Felgen sollte man genau hinsehen: Risse und Verschleiß sind ein untrügliches Zeichen zur Erneuerung. Foto: Paul Masukowitz (pd-f.de)

5. Fahrrad putzen

Sind die ersten Checks durchgeführt, geht’s ran an den Schmutz. Gröberen Dreck entfernt man einfach mit einem weichen Handfeger oder einer sanften Bürste. Kleinere Pinsel können helfen, auch schwer zugängliche Stellen zu erreichen. Gereinigt wird das Rad am besten mit lauwarmem Wasser und einem strapazierfähigen Lappen. Ein spezieller Fahrradreiniger, wie der biologisch abbaubare „Green Fizz“ von Pedro’s (10,90 Euro/500 Milliliter), hilft, hartnäckige Verschmutzungen zu entfernen. Hochdruckreiniger sind beim Radputz übrigens tabu: Sie pressen Schmutz und Feuchtigkeit in die Lager und beschädigen sie. Ein Gartenschlauch mit sanfter Brause ist die bessere Wahl. Zudem gibt es mittlerweile spezielle Niedrigdruckreiniger, die extra für den Radputz entwickelt wurden. Beim anschließenden Trocknen des Fahrrads mit einem weichen, saugfähigen Lappen erkennt man Schmutzreste und auch etwaige Schäden gut.

6. Kette ölen

Für die längere und bessere Funktion der Kette ist die richtige Schmierung Pflicht. Dabei helfen spezielle Schmiermittel wie das „Kettenöl“ von Tunap Sports (6,95 Euro/50 Milliliter) oder das „Top Kett“ von Brunox (7,99 Euro/100 Milliliter). Bei praktischer Tröpfchendosierung geht auch kaum etwas daneben. Das Mittel lässt man einige Zeit einwirken und fährt eine kurze Proberunde, damit es sich gut verteilt. Anschließend lässt man die Kette kurz durch einen fusselfreien Lappen laufen, der überschüssiges Öl aufnimmt. Dieses zöge nämlich unnötig Dreck an. Bei Kettenschaltungen gilt es, zusätzlich alle beweglichen Teile zu reinigen und zu schmieren. Insbesondere die Röllchen am Schaltwerk setzen leicht Schmutz an und brauchen regelmäßige Pflege.

7. Schaltung richtig einstellen

Die kurze Testrunde eignet sich hervorragend, um auch die Gangschaltung einmal zu testen: Einfach alle Gangsprünge einmal durchprobieren. Sollte einer hakeln, heißt es nachbessern. Bei Nabenschaltungen muss man dabei lediglich den Schaltzug am Schalthebel nachstellen; bei Kettenschaltungen dürfen auch gerne einmal die passenden Schräubchen am Schaltwerk bedient werden. Wenn sich allerdings nicht mehr in den kleinsten Gang schalten lässt und dabei zusätzlich die Kette überspringt, ist üblicherweise das Schaltauge verbogen. Das Problem löst am besten der Fachmann.

8. Schraubverbindungen prüfen

Bereits ein kurzes Anheben und Fallenlassen des Rades verrät, ob eine Schraube locker ist. Aber auch ohne Klappern überprüft man vorsichtshalber die Schrauben an den tragenden Bauteilen wie Vorbau, Lenker, Gepäckträger, Schutzblechen, Kurbeln und Kettenblättern. Hier kommt das Multitool zum Einsatz. Vorsicht ist geboten an Verbindungen, die mit Drehmomentangaben versehen sind. Es lohnt sich die Investition in einen Drehmomentschlüssel (z. B. „Torque Drive“ von Lezyne für 49,95 Euro), damit keine Schrauberfehler passieren, denn nach „fest“ kommt schnell „ab“.

9. Richtigen Reifendruck finden

Der passende Reifendruck hat immensen Einfluss auf Rollwiderstand, Pannenschutz und Haltbarkeit. Deshalb ist es besonders wichtig, nicht auf die allseits beliebte „Daumenmethode“ zu vertrauen, sondern den Druck ordentlich zu prüfen. Für einen ersten Überblick hilft ein präziser Reifendruckmesser wie der „Airchecker“ von SKS Germany (24,99 Euro). Beim Aufpumpen darf im heimischen Keller eine Standpumpe mit Manometer (z. B. „Airworx Plus 10.0“ von SKS Germany, 54,99 Euro) ebenfalls nicht fehlen. Wer sich unsicher ist, wie viel Bar passend sind, der findet die Angaben zum zulässigen Minimal‐ und Maximaldruck auf der Reifenflanke.

10. Besonderheiten

Riemenantrieb und Zentralgetriebeschaltung erfreuen sich wachsender Beliebtheit unter Radfahrern. Diese noch nicht alltäglichen Räder brauchen jedoch einen speziellen Service. Während ein Riemenantrieb keines Kettenöls bedarf und einfach mit Wasser gereinigt wird, ist bei einem Getriebe ein Ölwechsel einmal im Jahr Pflicht. Dafür muss das alte Öl entfernt und durch neues ersetzt werden. Diese Arbeit kann man getrost auch zu Hause durchführen, braucht aber vom Hersteller Pinion ein spezielles Getriebeöl. (pdf | Foto Titelbild: Christoph Bayer (cosmicsports.de))

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