SALZBÖDEN/KROFDORF – Ein neuer Streckenrekord, der offiziell aber keiner ist. Ein aufgedecktes „Paarzeitfahren“ und jede Menge Höchstleistungen und Auszeichnungen – für das Tagesergebnis im Bergzeitfahren an der Schmelz, für die Gesamtwertung des Hessen Berg Cup und für die Bezirksmeisterschaft im Bergzeitfahren. Es war viel los zum Abschluss der Straßen-Radrennsaison in Mittelhessen.
Es gab einen neuen Streckenrekord im Radsport-Bergzeitfahren an der Schmelz, der aber eine kleine Fußnote trägt. Und es gab einen Vorfall, dessen Verursacher wahrscheinlich gehofft hatte, dass nie jemand davon erfährt und den die ausrichtende Radsportgemeinschaft Gießen und Wieseck als Zeichen werten könnte, wie wichtig den Aktiven ein Erfolg im Bergzeitfahren an der Schmelz ist.
Aber der Reihe nach. Und zwar im Startabstand von einer Minute die knapp fünf Kilometer lange Steigung im Krofdorfer Forst hinaus, die zwischen Lollar-Salzböden und Krofdorf-Gleiberg in drei Stufen rund 170 Höhenmeter überwindet.
Fotostrecke: Bergzeitfahren Schmelz 2025 – von unten, nach oben, auf das Podium.
Fotos: Stephan Dietel
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Bei spätsommerlichem Wetter konnte man im Biergarten des Restaurants Schmelz-Mühle schon mal einen Blick auf das Siegerpodest werfen und erahnen, wie schön es sein könnte, wenn man auf einem der drei vordersten Plätze landen würde. Neben Startnummern wurden diesmal auch Transponder ausgegeben, die zur Zeitmessung am Fahrrad zu montieren waren. Damit wollte man vermeiden, dass es, wie im Vorjahr bei einer Hand voll Fahrern, zu Unklarheiten im Ergebnis kommen könnte. Die Ergebnisermittlung verlief diesmal ohne jeden Zweifel. Neben dem Tagesergebnis ging es um das Finale im vierteiligen Hessen Berg Cup und um die Bezirksmeisterschaft im Bergzeitfahren des Radsportbezirk Lahn.
Michael Wedertz und Veronika Wesp gewinnen Jedermann-Klasse
98 Startende stellten sich dem Kräfte- und Zeitmessen an der Schmelz-Steigung. Schnellster im Jedermann-Rennen ohne Rennlizenz war Michael Wedertz (TTG Margretenhaun-Künzell) der 09:31,65 Minuten brauchte und damit vor Sebastian Stöhr (09:42,88 Minuten, Team Velolease) und Lokalmatador Philipp Reuschling von der RSG Gießen und Wieseck platziert war, der mit 09:50,16 Minuten auf Platz drei des Podiums stand. Veronika Wesp war an diesem Tag mit 13:07,98 Minuten auf den knapp fünf Kilometern die schnellste Frau ohne Rennlizenz. Wahrscheinlich hätte sie sich auch ohne Fahrrad diesem Kräftemessen gestellt, denn Wesp ist erfolgreiche Läuferin beim TSV Krofdorf-Gleiberg. Auf dem Fahrrad ließ sie Conny Henze (13:25,69, Melsunger TG) und Erika Harsy (15:44,49, GSN_353 Girls) auf den Plätzen zwei und drei hinter sich. Als älteste Teilnehmerin freute sich Marie-Luise Hermanns vom DLRG Tri-Team Wetzlar über 15:45,56 Minuten Fahrzeit bei ihrer Bergzeitfahr-Premiere an der Schmelz. Bernd John vom RV Einigkeit Rodenbach war als ältester männlicher Teilnehmer mit Rennlizenz unterwegs und nach 12:07,62 Minuten als Dritter der Masters 4 im Ziel.

Schmidt schließt Straßensaison mit Sieg ab
Zum Abschluss seiner Saison auf dem Straßenrad holte Christian Schmidt von der RSG Gießen und Wieseck in den Schmelz-Steigungen hörbar nochmal alles heraus und brachte mit 10:23,91 Minuten als Sieger der Masters 3 knapp zwei Sekunden zwischen sich und Lars Geisler (10:25,40, Osnabrücker Sportclub) und knapp fünf Sekunden Vorsprung zum Drittplatzierten Sascha Haussmann (10:28,56, RSV Nassovia Limburg) ins Ziel. Mit dem Dünsberg Bike & Gravel Marathon am Sonntag (28.09.) und der Gravel-WM am 11. und 12. Oktober in den Niederlande geht die Saison von Schmidt und einigen anderen dann in kürze im Gelände zu Ende.
Vier Rennen zählten in dieser Saison zum Hessen Berg Cup, der damit zur Hälfte in Mittelhessen unterwegs war. Nach dem Auftakt in und an der Amöneburg, ging der Hessen Berg Cup mit dem Bergkönig und der Hessenmeisterschaft auf dem Eisenberg bei Kirchheim weiter. Nach der dritten Station beim VfB-Bergrace in Frielendorf / Großropperhausen ging es zum Bergzeitfahren an die Schmelz.
In der Gesamtwertung des Hessen Berg Cup 2025 gewann bei den Schülern Samuel Stöger, vor Marcel Garbas und Nico Kehres. Jonathan Webelhuth setzte sich in der Jugend vor Benjamin Becker und Marlon Vincent Friedmann durch. Schnellste Frau in der Gesamtwertung der vier Veranstaltungen war Conny Henze vor den Mittelhessinnen Sabrina Müller und Julia Schallau. Michael Wedertz, gab die Führung in der Männer-Klasse seit dem Auftakt an der Amöneburg nicht mehr ab und gewann vor Marvin Bode und dem Mittelhessen Philipp Reuschling. Volker Brockhagen steht an der Spitze der Gesamtwertung bei den Senioren vor Viktor Slavik und Tobias Schütz.
Die Gesamtwertung und alle Ergebnisse des Hessen Berg Cup 2025 findet ihr hier.
Julia Schallau und Ferdinand Beirig die Tagesschnellsten
Mit 10:27,56 war Julia Schallau (RSG Gießen und Wieseck) aus Allendorf an der Lahn Siegerin der Frauen mit Rennlizenz und Bezirksmeisterin des Radsportbezirk Lahn. Die Drittplatziere Sabrina Müller (10:57,08, RSV Marburg) wurde hinter Fenja Gerpott (10:49,45, Wheel Divas) Vize-Bezirksmeisterin. Während Schallau mit ihren 10:27,56 Minuten die schnellste Frau des Tages war, gelang das mit 09:16,77 Minuten Fahrzeit Ferdinand Beirig vom TGV Schotten in der männlichen Konkurrenz. Er habe sich richtig ausbelastet, sagte Beirig, der Ende August seinen Hessenmeistertitel im Bergzeitfahren der U23-Fahrer verteidigte. Beirigs Tagesbestzeit von 09:16 Minuten an der Schmelz könnte man als neuen Streckenrekord seit der Streckensanierung sehen, denn er war damit zwei Sekunden schneller als aktuelle Deutsche U23-Bergmeister Max Bock. Er hatte im Jahr 2023 mit 09:18 Minuten die erste Bestzeit auf der frisch für den Verkehr freigegebenen Schmelz gefahren. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre und die Verwirrung vom Vorjahr: Denn mit 8:47 Minuten im offiziellen Ergebnis ist Florent Cerutti vom RRC Endspurt Mannheim Rekordhalter auf der „neuen“ Schmelz. Cerutti war jetzt wieder dabei und beim Sieg von Lukas Voskuhl (09:21,96, RRG Osnabrück) in 10:01,21 Minuten Dritter der Männer Amateure. Der Vorjahres-Dritte Lukas Beutner machte aus 09:56,2 Minuten jetzt 10:56,69 Minuten und Platz fünf. Simon Betz vom MRSC Ottenbach schnappte sich in 09:23,09 Minuten den Sieg der Elite-Amateure, vor dem Mittelhessen Valentin Szalay aus Allendorf an der Lahn, der für den PMCA Mannheim an der Schmelz 09:28,64 Minuten trat. Yassin Hajjam (10:06,05, Velociped-Club Darmstadt) wurde Dritter der Elite-Amateure.
YouTube Short
Grafik: Jan Heilenz (www.janheilenz.com) | Foto: Stephan Dietel | Bericht/Kamera/Schnitt: Stephan Dietel.
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Doppelt unfair: „Paarzeitfahren“ mit Pedelec
Und dann das noch: Die sehr exakte Zeitmessung mit Transponder und Lichtschranke war einem Sportler scheinbar eine zu schwere Prüfung: Seine Fahrt über die Schmelz fiel von weitem durch einen Frontscheinwerfer auf. Bei näherer Betrachtung sah man gleich zwei orange Trikots direkt hintereinander näher kommen und in der Vorbeifahrt entdeckte man dann ein Versicherungskennzeichen am vorderen Fahrrad. Das offensichtliche Paarzeitfahren mit Pedelec-Ebike-Unterstützung entsprach so gar nicht den Regularien – die daraus resultierende Disqualifikation hingegen schon. Das unfaire Verhalten hätte ihn ohnehin nur auf Platz acht der Masters 3 gebracht. So war die vorzeitige Heimreise des Duos das Ergebnis, während die anderen Aktiven bei spätsommerlicher Sonne im Biergarten der Schmelz-Mühle die umfangreiche Siegerehrung aus Tagesergebnis, Hessen Berg Cup und Bezirksmeisterschaft zum Abschluss der heimischen Straßenradsport-Rennsaison genossen.
Alle Ergebnisse des Bergzeitfahren Schmelz 2025 findet ihr hier.
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Stephan Dietel
Er wohnt im Gießener Ortsteil Rödgen und legte im Jahr 2001 mit Erlebnisberichten über selbst gefahrene Radrennen den Grundstein. Mit großem Interesse am Radsport und am Journalismus entwickelt er mit seinem Team die Radsportnachrichten aus Mittelhessen immer weiter.






