Kommentar: Basis scheint alleine gelassen

Jan Traub, RVG Rockenberg [Dieser Artikel benötigt eine Lesezeit von circa 2 Minuten]

GIESSEN/ROCKENBERG – Aus Anlass der Hessenmeisterschaft im Straßenradsport, die für drei Bundesländer gemeinsam in Wolfhagen stattfand, blickt Jan Traub von der RVG Rockenberg in einem Kommentar auf die derzeitige Situation für Fahrer und Veranstalter.

Von Jan Traub, RVG Rockenberg.

Was sich im Radsport gerade an der Basis abspielt ist ein Skandal. Die Auflagen an die Veranstalter von Radrennen für die Straßensperrung sind derart hoch, dass die Landesverbände seit mehreren Jahren gezwungen sind, ihre Meisterschaften im Wechsel mit anderen Bundesländern gemeinsam auszutragen. In Wolfhagen traten daher neben den Hessen Radsportler aus dem Saarland, aus Rheinland Pfalz und aus Niedersachsen an.

Eltern, die ihre Kinder und Jugendlichen zu den Wettkämpfen begleiten, sitzen dafür gut und gerne 7-9 Stunden im Auto und müssen Übernachtungen einplanen. Veranstalter zahlen für die Streckensperrung überschlägig ca. € 1.000 pro Streckenkilometer und müssen den Parcours zusätzlich mit 20 bis 40 Helfern sichern. Vorbei sind die Zeiten, als die Feuerwehren Absperrmaßnahmen im Rahmen einer Übung vornahmen. Nimmt man sie in Anspruch, werden übliche Stundensätze für jeden Einzelnen fällig.

Veranstalter dürfen sich auf die Schulter klopfen, wenn bei all der Arbeit das wirtschaftliche Ergebnis keinen fünfstelligen Negativbetrag ausweißt. Schön blöd, wer es sich da noch antut, als Veranstalter aufzutreten oder wer seinen Kindern den Radsport schmackhaft macht, beispielsweise weil es eine der gesündesten Sportarten ist. Die Sportstätte der Radsportler ist das vorhandene Straßennetz und in der Regel werden wenig frequentierte Strecken für Wettkämpfe ausgesucht. Da sollte es möglich sein, dass ein mal im Jahr Bezirksmeisterschaften im Bezirk und Landesmeisterschaften im Bundesland ausgetragen werden können, ohne dass das Fass, das man dafür meint aufmachen zu müssen, alleine der veranstaltende Verein zu tragen hat. Wo sind an dieser Stelle der Landessportbund und die Politik, die immer wieder gerne Medaillen einfordern und bejubeln, aber gerade dabei sind der Basis den Boden unter den Füßen weg zu ziehen.

An anderer Stelle werden wie selbstverständlich für Sportstätten Millionen Steuergelder ausgegeben und die Polizei stellt Jahr ein Jahr aus Hundertschaften an den Wochenenden, damit sich die sogenannten Fans der bezahlten Profiligen nicht die Köpfe einschlagen. Die Ausnahme im Radsport sind nur kommerzielle Veranstaltungen für Hobbysportler, die sich über hohe Startgelder finanzieren. Das funktioniert jedoch nicht im Jugend und Amateursport. Da finanzieren sich die Vereine über die mühsame Ausrichtung von Veranstaltungen. Hier müssen sinnvolle Regelung her und zwar schnell. Sonst geht eine der schönsten Sportarten den Bach runter!

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