BREIDENBACH – Stark am Berg, sicher im Kurvenfahren, reaktionsschnell und am besten auch noch gut im Sprinten sein: Wer beim Radrennen um den Preis der RSG Buchenau etwas werden wollte – außer abgehängt – musste vielseitige Stärken beweisen. 167 Teilnehmende stellten sich dieser Prüfung zum Saisonauftakt in Mittelhessen und bescherten der ausrichtenden Radsportgemeinschaft Buchenau einen Rekord an Teilnehmenden.
Der Bad Endbacher Bernd Pfeiffer hatte zwar schon vor dem ersten Start des Tages bei den Masters 3 und 4 einen platten Reifen. Dank der räumlichen Nähe gab es für ihn aber am Nachmittag die Möglichkeit im Rennen der Männer zu starten – wenn auch auf längerer Distanz und mit ganz anderer Konkurrenz. Denn die war schon in den beiden Masters-Klassen ausgesprochen stark.
Einer der das nur zu gut wusste, war der Kleinlindener Alexander Koop. Auf dem anspruchsvollen Rundkurs im Gewerbegebiet von Breidenbach bei Biedenkopf war Koop in den Jahren 2025 und 2024 Zweiter und hatte 2023 sogar gewonnen. Ein Podiumsplatz sollte auch zum Start der Saison 2026 wieder her. Diesem Plan sollten Alexander Koop weniger die Höhenmeter und Kurven im Weg stehen als vielmehr Florian Westerheide (RSG Hannover) und Axel Hauschke (Melsunger TG). Sie sind zu dieser Saison von den Masters 2 zu den Masters 3 aufgestiegen und somit in der älteren Klasse wieder die jüngsten – und damit ernstzunehmende Gegner, die man im Blick haben sollte, wusste Alexander Koop, der mit Rennlizenz der RV Gießen-Kleinlinden jetzt für das Adam Donner Master Racing Team fährt. In Lars Jansen hatte Koop einen Teamkollegen mit im Rennen – für eine wegweisende Weichenstellung Richtung Podium brauchte es aber nur die ersten beiden Kurven nach dem Start: Florian Westerheide, Axel Hauschke und Alexander Koop hatten sich direkt als Spitzentrio abgesetzt. „Hauschke ist die Kurven gefahren wie ein junger Gott. Ich dachte, wir landen gleich im Grün, aber es ging richtig gut“, schilderte Koop die ersten Runden in der Ausreißergruppe. Sascha Haußmann vom RSV Nassovia Limburg hatte den Moment der Spitzengruppe knapp verpasst und war als alleiniger Verfolger auf Platz vier unterwegs. Würde vorne etwas ungeplantes passieren, hätte er sich damit die Podiums-Chance gewahrt.

„Hochgerechnet auf die Distanz eines Profirennens von 200 Kilometern Länge, wäre das ein Rennen mit über 3.000 Höhenmetern – das ist schon eine richtige Nummer.“
– Andreas Schulz, ehemaliger Rennsport-Fachwart der RSG Buchenau
Doch das Trio an der Spitze war konstant unterwegs, was Koop zum Finale hin nicht mehr ganz so gut gefiel: Westerheide und Hauschke waren nämlich auch am Anstieg stark und Koop musste zum Finale abreißen lassen und sich hinter dem Duo mit Platz drei zufrieden geben. „Mehr war heute nicht drin“, gestand sich der Kleinlindener ein. Das Podium war damit zumindest wie geplant erreicht. Im drei Runden zuvor eingeläuteten Finale der Masters 4 gewann Bernd Schmelz (TSV Ippinghausen) vor Jens Matzel (radroo Team) und Viktor Slavik (Melsunger TG).
Fotostrecke: Rennen der Masters, Schüler, Jugend und Frauen
Fotos: Stephan Dietel
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Dritte Plätze von Leo Degenkolb und Ben Göbel
Rennsport-Fachwart Bastian Jäckel von der ausrichtenden RSG Buchenau freute sich über die 28 Teilnehmenden im Nachwuchsrennen der Schüler U11, U13 und U15 und über einen besonderen Gast: Mit Leo Degenkolb in der U13 waren auch Laura und John Degenkolb nach Breidenbach gekommen. Die Anfeuerung von Radprofi John Degenkolb dürfte den jungen Rennfahrerinnen und Rennfahrer die Strapazen im Anstieg etwas gelindert haben. Sohn Leo Degenkolb im Trikot des RV Sossenheim konnte sich auf Platz drei hinter Erik Nenke und Tobias Julian Fas aus der Radsport-Abteilung von Eintracht Frankfurt durchkämpfen, bevor es für den Vater selbst aufs Rad ging, um den Heimweg nach Oberursel mit dem Training zu verbinden. Niklas Jung vom Radsportverein Marburg kam bei den Schüler U11 auf Platz fünf. In der U15 fuhr der Limburger Ben Göbel im Trikot des VFR Büttgen als starker Dritter hinter William Sehr (Eintracht Frankfurt Radsport) und Sieger Jordan Bernhardt (RV Sossenheim) auf das Podium. Nils Koenen vom RSV Nassovia Limburg wurde Zwölfter der U15.
Katharina Palm mit souveränem Start-Ziel-Sieg
Stark besetzt war auch das Rennen der Elite-Frauen und Jugend U17 und es gab erneut nach der ersten Runde eine Spitzengruppe: Katharina Palm (geb. Fox), die zweimalige Gesamtsiegering der Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga, hatte sich mit einigen Jugendfahrern abgesetzt – im Verlauf des ersten Drittels der 22 angesetzten Runden aber ihre Fahrt alleine fortgesetzt. „Wir waren gut zusammen unterwegs, aber ich wollte den Jungs ihr Rennen lassen“, ordnete Palm später ein. Denn als Tempomacherin in der Spitzengruppe hätte sie es den Verfolgern wohl noch schwerer gemacht, die „mitgenommenen“ Ausreißer vielleicht wieder stellen und das Blatt des Rennens der U17 wenden zu können. Die mit kleinem Gang und hohem Tempo kurbelnde Katharina Palm fuhr nach Überrundung aller Gestarteter nach 1:11 Stunde einen ungefährdeten Solosieg vor Mara Becker vom PZ Gießen Racing Team und Johanna Rasche (Team MaxWatt women) ein. Und sie war augenscheinlich die einzige, die das Rennen an diesem Tag gewinnen konnte, ohne an ihr Limit gehen zu müssen. Die Bad Endbacherin Birgit Jüngst (RSG Gießen und Wieseck), die eigentlich bei den Master-Frauen fährt, kam auf Platz fünf der Elite-Frauen. Die Gießenerin Clara Wüsten, die in dieser Saison für den RSV Rheinadler und das well:fair Cycling Team fährt, hatte ebenfalls einen guten Saisonstart gezeigt und konnte unterwegs einige Fahrerinnen hinter sich lassen, bis ein Defekt sie kurz vor dem Finale zur Aufgabe zwang. Buchenaus Jugendfahrer Adrian Möller wurde Zwölfter der U17.
Fotostrecke: Rennen für Jedermann und Jederfrau
Fotos: Stephan Dietel
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Ein hohes Tempo trotz der sehr selektiven Strecke sah man im Rennen für Jedermann und Jederfrau, das 15 Runden und damit knapp 30 Kilometer lang war. In der Altersklasse bis 40 Jahre gewann nach 44:54 Minuten Sascha Wolf vor Elias Jakobs und Marian Fuhrmann. In der Klasse ab 41 Jahre stand Paul Hein (RSV Seeheim) vor Lokalmatador René Chambre und Christoph Klingenbeck (RSC Pedalo.Weiterstadt) auf dem Treppchen. Linda Kaierleber von der Gravelbande Marburg hatte das Podium der Frauen zwar für sich alleine, aber das Rennen trotz der Strapazen genießen können: „Ich habe den Zuschauen zugerufen, dass sie zu leise sind. Und dann haben die richtig Stimmung gemacht“.

Felix Groß geht aufs Ganze
Wenn ein Bahn-Radsportler mit Erfolgen bei Deutschen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften sagt, dass es ihm wichtig ist, heute in der ersten Reihe des Rennens am Start zu stehen, zeigt das, wie wichtig ihm das Rennen ist. Und auch die Konkurrenz wusste, dass sie auf den Leipziger Felix Groß vom Team Standert Brandenburg aufpassen sollte, denn der Bahnradsportler, der in den Jahren 2022 und 2023 Radprofi beim UAE Team Emirates war, sollte im Sprint nur schwer zu schlagen sein. 33 Runden und damit 33 Anstiege, die es auf der Radrennbahn gar nicht gibt, waren von Groß ebenso zu bewältigen, wie 57 Fahrer, die seinem Sieg in die Quere kommen konnten. Besonders das personell stark angetretene Skull Racing Team zeigte von Beginn an, dass es das Rennen kontrollieren wollte. Und die Mannschaft sorgte auch für die Streckenposten der RSG Buchenau für Unterhaltung, denn die konnten an den entlegenen Stellen in der Vorbeifahrt hören, wie sich die Teams in ihrer Taktik abstimmten. Dass der Pulk aus Juniorenfahrern, Amateuren und Elite-Amateuren schnell in mehrere Gruppen zersprengt wurde, dürfte eine Folge von Tempo und Taktik der sichtlich engagierten Teams gewesen sein. Felix Groß hielt sich dabei immer im Getümmel der Spitze auf und seine Chancen damit hoch, um sie dann selbst in die Hand zu nehmen: Erst mit einer Gruppe und später mit Amateure-Fahrer Michael Gannopolskij (Cycling Team Rhein-Main Rödermark) konnte sich Elite-Amateur Felix Groß als Ausreißer absetzen. Seine Strapazen wurden mit jeder Runde größer und sichtbarer – die Fragen nach seinem Vorsprung und der verbleibenden Rundenzahl wurden häufiger.
Fotostrecke: Rennen der Junioren und Männer
Fotos: Stephan Dietel
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Nach 1:39 Stunden konnte sich Groß den Sieg des Rennens und der Elite-Männer vor Dominik Merseburg (Hucare Factory Team) und Tobias Willmes (Skull Racing Team, RCW Arzheim) sichern. „Das war so hart. Absolutes Limit.“, gab Groß im Ziel zu Protokoll. Der Mittelhesse Robin Fischer aus Haddamar, der jetzt für das Skull Racing Team fährt, kam als Neunter in die Topten der Elite-Amateure. Bei den Amateuren gewann Michael Gannopolskij vor Moritz Palm (Coup Cycle Göppingen / Team Strassacker) und Tim Jäger (RSG Riedberg). Stefan Wahner, Moritz Schütz und Sebastian Gerhardt von der RSG Gießen und Wieseck erreichten die Plätze sieben, acht und 16 bei den Amateuren. Erik Fischbach und Jonas Brokmann vom Wiesecker Team Delta IQ Racing fuhren achtbar auf Rang zehn und elf der Amateure. Für Benjamin Zahn vom RSV Marburg war das Rennen nach einem einem Reifenschaden, bis zu dem er gut unterwegs gewesen war, wie bei sieben weiteren Fahrern vorzeitig zu Ende. Der Bad Endbacher Bernd Pfeiffer schloss auf Platz 14 seinen Renntag ebenfalls achtbar ab und die Radsportgemeinschaft Buchenau freute sich mit 167 Teilnehmenden über eine Rekordteilnahme und einen sturzfreien Renntag, trotz einiger Male nasser Strecke.
Nach dem Rennen ist vor dem Rennen
Schon am 24. Mai geht es für die Radsportgemeinschaft Buchenau mit Radrennsport als Ausrichterin weiter, wenn am Pfingstsonntag der Dautpher Pfingstpreis seine Runden mitten im Ort dreht.
Die Ergebnisse des Preis der RSG Buchenau 2026 findet ihr hier.
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Stephan Dietel
Er wohnt im Gießener Ortsteil Rödgen und legte im Jahr 2001 mit Erlebnisberichten über selbst gefahrene Radrennen den Grundstein. Mit großem Interesse am Radsport und am Journalismus entwickelt er mit seinem Team die Radsportnachrichten aus Mittelhessen immer weiter.






