FRANKFURT – Die nächste Ausgabe der Fahrradmesse Eurobike ist für den 24. bis 27. Juni in Frankfurt am Main geplant. Seit ihrem Umzug im Jahr 2022 – von Friedrichshafen am Bodensee in die Mainmetropole – liegt die Messe wegen ihrer geografischen Nähe für Besuchende aus Mittelhessen im wörtlichen Sinn näher. Doch tut sie das mit ihrem Konzept auch inhaltlich? Sie soll in jedem Fall kleiner und kürzer stattfinden.
In einem Gespräch am Rande der ECI Launch Reception in Brüssel haben sich Eurobike-Organisator Fairnamic und die Verbände „European Cycling Industries“ (ECI), „ZIV – Die Fahrradindustrie“ sowie „Zukunft Fahrrad“ über einen Neustart der Eurobike ab dem Jahr 2027, mögliche Formen der Zusammenarbeit sowie die Rolle der Eurobike 2026 ausgetauscht.
„Die Gespräche in Brüssel haben gezeigt, dass es ein gemeinsames Interesse an einer starken, zukunftsfähigen Eurobike gibt. Die Eurobike 2026 ist dabei ein wichtiger Meilenstein, um gemeinsam die Grundlage für ein weiterentwickeltes Messekonzept ab 2027 zu legen“, sagt Philipp Ferger, Geschäftsführer der Fairnamic GmbH. „Die weiteren inhaltlichen Details werden wir gemeinsam mit den Verbänden und der internationalen Branche in den kommenden Wochen vertiefen. Ein erster strategischer Auftakt-Workshop der Teams aus Friedrichshafen und Frankfurt hat zudem gezeigt: Das Eurobike-Team ist hochmotiviert, neue Ideen umzusetzen – und wir wachsen dabei als Organisation eng zusammen.“
Alle Informationen rund um die Messe Eurobike findet ihr auf www.eurobike.com.
Neue Hallenwelten für die Eurobike 2026
Mit einer neuen Hallenstruktur der Eurobike 2026 setzt die Leitmesse auf kompakte Wege und klar gebündelte Themenwelten: In den Hallen 11 und 12 präsentieren sich Marktführer ebenso wie innovative Start-ups. Halle 11 steht im Zeichen von Performance und Sport – unter anderem mit der Adventure Area. In Halle 12 liegt der Fokus auf Mobilitätslösungen für den Alltag. Internationale Trends und Impulse bietet der Bereich „Global Sourcing“ in Halle 8 als Treffpunkt für Industrie und Handel aus aller Welt. Ergänzt wird das Angebot durch umfangreiche Präsentationen im Freigelände sowie vielfältige Test- und Demo-Tracks.
von Stephan Dietel
Wie geht’s dir, liebe Eurobike?
Wie ist es um die Fahrradmesse Eurobike bestellt? Darauf kann derzeit wohl niemand eine Antwort liefern. Und eine Prognose dürfte mindestens genau schwer fallen. Zu dynamisch zeigen sich die Entwicklungen rund um die Messe, die als Leitmesse der Fahrradbranche gilt – oder galt!?
Zur Einordnung: Die Fahrradbranche steht derzeit, wie viele andere Branchen, vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen – zum Beispiel mit Blick auf Absatz, Umsatz und wirtschaftliche Prognosen. Das erfordert, um im Fahrrad-Vokabular zu bleiben, beispielsweise von Herstellern einen Griff zur Bremse in der Produkt und in vielen Faktoren ein umlenken, oder umdenken. Die Nachfrage in den Fahrradgattungen entwickelt sich unterschiedlich – Gravelbikes und Rennräder wecken laut Branchenverbänden Hoffnungen. Mit den wirtschaftlichen Entwicklungen und den Interessen ihrer Kundinnen und Kunden ändern auch die ausstellenden Unternehmen der Fahrradmesse Eurobike offensichtlich ihren Fokus. Nach ihrem Standortwechsel vom Bodensee startete die Eurobike mit rund 1.500 Ausstellern im Jahr 2022 auf dem Messegelände in Frankfurt am Main. Rund 1.800 Aussteller waren in sechs Hallen in den Jahren 2023 und 2024 vertreten. Im Jahr 2025 zeigte sich dann eine Abnahme bei Ausstellern (2025: 1.500 zu 2024: 1.800), Fachbesucherinnen und Fachbesuchern (2025: 31.270 zu 2024: 35.080) sowie Gästen am Festivalwochenende (2025: 30.420 zu 2024: 33.090).

Zu den Auswirkungen: Die Messe Eurobike kündigt am Donnerstag (29.01.) mit der oben stehenden Pressemeldung an, kleiner zu werden. Statt in sechs Hallen plus Außengelände werde sie künftig nur noch drei Hallen (Halle 8, 11 und 12) belegen. Das Freigelände soll weiterhin für Produktvorstellungen, sportliche Aktionen und Probefahrten eingebunden sein. Bereits im Juli 2025 wurde bekanntgegeben, dass das 2022 eingeführte Festivalwochenende auf einen Tag eingekürzt wird. Der Samstag (27.06.) soll künftig der Tag sein, an dem die Messe allen interessierten (und Eintritt zu zahlen bereiten) Menschen offen stehen soll, während die ersten drei Tage (24. bis 26.06.) dem Fachpublikum vorbehalten sind. Die Idee, eine neue Messe namens Mobifuture zeitgleich zur Eurobike stattfinden zu lassen, die Plattform für elektrische, smarte und vernetzte urbane Mobilitätslösungen sein soll, hat man für das Jahr 2026 ausgesetzt. Die Messe sollte beispielsweise die Themen Fahrrad und Elektroleichtfahrzeug voneinander treten, die sich jüngst immer mehr vermischten, wie unsere Messeberichte der Vorjahre erkennen ließen. Ein intensiver Austausch mit der Branche selbst begleitet die aktuellen Entscheidungen und soll auch die künftige Ausrichtung der Messe Eurobike, ist den Pressemeldungen des Messebetreibers Fairnamic zu entnehmen. Ein passendes und positives Zeichen setzt dabei die Meldung, dass die Eurobike und Cycle Cafe auch das fünfte Messejahr in Frankfurt gemeinsam gestalten wollen. Das Cycle Cafe Networking Hub soll „einer der zentralen Treffpunkte während der drei Business-Days und des Festival-Tags“ und „Treffpunkt für Friends & Family der Fahrradbranche und weit darüber hinaus“ sein, heißt es in der Pressemitteilung dazu. Für die mittelhessische Szene besonders interessant, denn Cycle Cafe hat seien Firmensitz inzwischen im mittelhessischen Staufenberg und ist auch hier als Community aktiv.

Nachdem sich nun bereits zeigt, dass die Eurobike in ihrer Fläche kleiner und in der Dauer kürzer wird, kommen Meldungen wie diese höchst ungelegen: Fahrrad-Komponentenhersteller Shimano will im Jahr 2026 nicht auf der Messe Eurobike ausstellen und wohl auch künftig dort nicht mehr vertreten sein, wie mehrere Medien gleichlautend am Freitag (30.01.) berichten und ein Pressestatement des Herstellers zitieren. Nachdem sich in den beiden Vorjahren bereits mehrere großer Aussteller zurückgezogen hatten, könnte das der Eurobike ihren Status als Leitmesse der Branchen abgängig machen. Immer mehr der Aussteller früherer Eurobike-Ausgaben scheinen verstärkt auf Hausmessen und selbst initiierte Festivalwochenende in ihren Unternehmen zu setzen, statt auf externe Messen, erfuhren wir in Gesprächen mit den Firmen.
Dass die jüngste Pressemeldung von Donnerstag (29.01.) – einen Tag vor der Shimano-Absage – zu Art und Umfang der Eurobike 2026 aktuell (31.01., 11:30 Uhr) auf den Webseiten des Messebetreibers nicht mehr zu finden ist und Links dorthin nicht mehr aufrufbar sind, ist hoffentlich nur ein Zufall, denn ein ganz schlechtes Zeichen. Ob sich die Eurobike 2026 also „gesund schrumpft“ ist ebenso offen, wie die Frage, ob die Messe überhaupt kränkelt. Es wäre nämlich nicht das erste Mal in ihrer Geschichte, die im Jahr 1991 ihren Anfang als kleine Mountainbike-Messe hat, dass die Eurobike steinige Pfade – um in Fahrradsprache zu bleiben – bergauf und bergab zu meistern versteht.
Wie es der Eurobike aktuell geht, bleibt also offen. Wer krank ist, muss manchmal kürzertreten oder eine Pause machen. An Rezepten und Mitteln für eine schnelle Zustandsänderungen wird offensichtlich schon gearbeitet.
Ich wünsche dir, liebe Eurobike, nur das Beste und freue mich auf unser Wiedersehen. Innerlich füge ich als Fußnote an: Hoffentlich in diesem Jahr.
Redaktioneller Hinweis
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