HESSENgravel als nationale Premiere

KLEINLINDEN – Die Premiere des ersten HESSENgravel ist gelungen. Bei der CTF „Rund um den Dünsberg“ fand die erste Austragung der neuen Serie statt. Doch was ist eine CTF und was steckt hinter HESSENgravel? Die Veranstaltung in Gießen-Kleinlinden war die beste Gelegenheit, das zu erfahren.

Wolfgang Rinn ist 1. Vorsitzender der Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen-Kleinlinden, die am Sonntag (31.10.) die CTF „Rund um den Dünsberg“ ausrichtete. Er ist zugleich Fachwart für Radtourenfahren und Countrytourenfahren im Hessischen Radfahrerverband, sowie Koordinator Breitensport RTF beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und damit genau der richtige Ansprechpartner, um mehr über CTF und den HESSENgravel zu erfahren.

YouTube-Video: Was ist eine CTF? HESSENgravel-Premiere bei „Rund um den Dünsberg“ | Grafik: Jan Heilenz, Kamera/Schnitt: Stephan Dietel. Tipp: Über die Sprungmarken in der Timeline des Videos gelangt ihr direkt zu den gewünschten Sequenzen.

Organisierte Ausfahrten mit Wegweisung und Verpflegung

Hinter der Abkürzung CTF steht das Country-Tourenfahren. Gegenstück auf der Straße ist das Radtourenfahren, das kurz als RTF bezeichnet wird. „Beim CTF wird abseits der Straße gefahren, auf markierten Strecken von 30 bis 90 Kilometern Länge. Die Fahrer fahren ihre Runde auf den markierten Strecken ab, fahren Kontrollstellen an, werden ordentlich verpflegt auf der Strecke und bekommen anschließend ihre BDR-Wertungspunkte wenn sie das haben wollen“, fasst Wolfgang Rinn das Konzept des CTF kurz zusammen. Die Punkte, die je nach absolvierter Streckenlänge zu bekommen sind, können auf einer BDR-Wertungskarte eingetragen werden. Die erreichten Gesamtpunktzahlen werden am Saisonende aufgelistet und auf unterschiedliche Weise in den Vereinen und Verbänden gewürdigt. Für Mitglieder eines Radsportvereins und Inhaberinnen und Inhaber einer BDR-Wertungskarte gibt es einen Rabatt beim Startgeld, dass im Startort der CTF zu zahlen ist. Mit einer Startnummer oder einer anderen Markierung, die man mit der Anmeldung erhält, kann man sich dann an den Kontrollstellen auf der Strecke verpflegen. Je nach Möglichkeit des Ausrichters steht dort ein reichhaltiges Angebot für fast jeden Geschmack zu Wahl, das sich teilweise an der Streckenlänge oder der Tageszeit orientiert.

CTF und HESSENgravel "Rund um den Dünsberg"
Schaurig schöne Kontrollstelle: Passend zu Halloween waren die Verpflegungspunkte nicht nur lecker sondern auch mit gruseliger Dekoration ausgestattet – und im Ziel wartete Kürbissuppe auf die Teilnehmenden. Foto: Stephan Dietel

Traditionelle Veranstaltung mit einer Premiere

Das Country-Tourenfahren ist seit langer Zeit im Breitensport-Programm des Bund Deutscher Radfahrer etabliert und findet inzwischen immer öfter auch im Herbst und Winter statt, So war der 31. Oktober als Termin für die CTF „Rund um den Dünsberg“ bei der Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen-Kleinlinden kein ungewöhnliches Datum. Passend zu Halloween gab es Kürbissuppe und Kontrollstellen mit schaurig schöner Dekoration. Bei milden Temperaturen und einem Sonne-Wolken-Mix am Himmel gingen insgesamt 157 Teilnehmende auf die zur Wahl stehenden Strecken von 33 bis 90 Kilometer Länge. Mit Spannung erwartet wurde, wie die Premiere des ersten HESSENgravel ankommen würde, der auf einer zusätzlichen Strecke angeboten wurde. Anders als auf den CTF-Strecken fand die Streckenführung hier nicht mit Richtungspfeilen statt. Beim HESSENgravel wurde ausschließlich mittels GPS-Daten gefahren, die man auf der Internetseite des Ausrichters herunterladen und auf das Navigationsgerät am Fahrrad aufspielen konnte. 35 Teilnehmende nahmen die 80 Kilometer des HESSENgravel bei seiner Premiere unter die Räder. Von der Resonanz der ersten Austragung war Organisationsleiter und Verbandsfunktionär Rinn angetan.

Über Gravel-Bikes

Gravel-Bikes bescheren dem Rennrad derzeit einen wahren Boom. Wie es der Name bereits erahnen lässt, fühlen sich die Räder auf Wald- und Feldwegen besonders wohl – „Gravel“ bedeutet Schotter im Englischen. Reifenbreiten von 35 Millimetern und mehr, die mit wenig Luftdruck gefahren werden, ermöglichen ein komfortables und schnelles Vorankommen auf dem ruppigen Untergrund. Aber auch auf Asphalt zeigen die Räder kaum Nachteile, der Rollwiderstand ist nicht per se höher als bei reinen Rennrädern. Gravel-Bikes werden deshalb gerne auch als All-Road-Bikes oder Breitreifenrennräder bezeichnet. Es gibt sie mittlerweile für den reinen Renneinsatz, aber auch für das Kurzabenteuer mit Gepäck. Viele Räder verfügen über unterschiedliche Ösen zum Anbringen von Gepäck oder Schutzblechen. Zudem gehören Scheibenbremsen und eine geländetauglich abgestimmte Übersetzung zur Grundausstattung. Die Schaltungshersteller gehen den Trend mit und bieten bereits spezielle Gravel-Schaltungen an. Anleihen aus dem Mountainbike sind ebenfalls möglich. Cyclocrosser, auch Querfeldeinräder oder CX genannt, sind ebenfalls für das Gelände gemacht. Einer der wesentlichen Unterschiede zum Gravel-Bike: Die Reifenbreite ist laut Vorgaben der UCI auf maximal 33 Millimeter reglementiert. Außerdem ist die Sitzposition etwas sportlich-aggressiver und das Tretlager sitzt etwas höher, um Hindernisse besser überfahren zu können. Im Gegensatz zum Rennrad ist der Reifendurchlass größer, da Cyclocross-Rennen meist mit Schlamm und Sand in Verbindung stehen. Die CX-Rennsaison geht in der Regel von Herbst bis Frühling und bietet Sportlerinnen und Sportlern aus dem Mountainbike- oder Rennradbereich eine willkommene Winterabwechslung. Die Rennen finden auf anspruchsvollen Rundkursen mit Hindernissen und Tragepassagen statt und sind so auch für Zuschauende ein großer Spaß. Quelle: Pressedienst-Fahrrad

Graveln als vielversprechende Erweiterung beschlossen

Den Breitensport im Country-Tourenfahren um das Graveln zu erweitern ist eine der jüngsten Entscheidungen im Bund Deutscher Radfahrer, um diesen Bereich zeitgemäß zu gestalten. Während der Corona-Pandemie hätten viele Menschen das Fahrradfahren als Sport- und Freizeitaktivität neu entdeckt, sagt Rinn. Hinzu kommt: Aus dem Marktanteil der Gravelbikes, erkenne man großes Potenzial dieses Segments. „Ich bin mir sicher, dass das (Graveln, Anm. d. Red.) nicht nur ein Werbegag der Fahrrad-Industrie ist. Viele Sportler fahren gerne mal abseits der Straßen ins Gelände. Aber sie wollen eben nicht nur ins Gelände oder nicht nur auf der Straße fahren“, sagt Bernd Schmidt, der neue Vizepräsident für den Breitensport auf der Internetseite des BDR. Das Graveln als Serie anzubieten, sei jedoch nicht das oberste Ziel der Neuerung. Vielmehr sollten sich dadurch die ausrichtenden Vereine mit dem Graveln befassen und grundsätzlich ihr bisheriges CTF-Angebot damit erweitern.

Hessen macht den Anfang

Dass der Anfang mit Graveln im Breitensport des BDR jetzt im hessischen Landesverband gemacht wurde, ist ein Ergebnis der Breitensportkonferenz, die Anfang Oktober in Oppershofen im Wetteraukreis stattfand. Für Koordinator Wolfgang Rinn bot die Premiere in seinem Heimatverein auch die Gelegenheit, die erste Umsetzung in der Praxis persönlich in all ihren Details mitzuerleben, um mögliche Rückschlüsse ziehen zu können. Der Auftakt des HESSENgravel scheint geglückt. Vier weitere Veranstaltungen sollen im Rahmen der Serie in den nächsten Wochen folgen.

Veranstaltungs-Tipps

Wann und wo die nächsten HESSENgravel stattfinden, lest ihr auch in unserem Format „Wohin am Wochenende“ (WaW), mit dem wir euch in loser Folge an ausgewählte Veranstaltungen und Wettkämpfe erinnern, die am bevorstehenden Wochenende in Mittelhessen und benachbarten Regionen stattfinden.

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Profilfoto Stephan Dietel Radsportnachrichten
Stephan Dietel
Gründer | Redaktionsleitung | CvD | Ressortleitung Straße | Leitung Multimediaredaktion | sd@radsportnachrichten.com

Er wohnt im Gießener Ortsteil Rödgen und legte im Jahr 2001 mit Erlebnisberichten über selbst gefahrene Radrennen den Grundstein. Mit großem Interesse am Radsport und am Journalismus entwickelt er mit seinem Team die Radsportnachrichten aus Mittelhessen immer weiter.

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