GEDERN – Das Vulkan-Race 2026 war ein Höhepunkt – im mittelhessischen Rennkalender und in der Geschichte des Rennen. Rund 600 Meldungen lagen für das Rennen am Löseberg in Gedern vor und das, obwohl zeitgleich die deutsche Spitze im Weltcup-Einsatz war. Die Locals Michelle Luft und Noah Jung mischten achtbar in den Elite-Rennen mit.
Das Vulkan-Race in Gedern des Jahres 2026 dürfte das schwerste seiner Geschichte gewesen sein, wenn man auf die fahrtechnischen Herausforderungen für die Aktiven blickt: Organisationsleiter Eckhard Haas und die Helfenden der Ausrichtergemeinschaft HWG Gedern und TGV Schotten hatten in den Wochen vor dem Rennen die Strecke baulich nochmal schwerer gemacht, um auch den Nachwuchs an das Niveau internationaler Rennstrecken heranzuführen.
Fotostrecke: Noah Jung beim Vulkan-Race 2026 in Gedern
Fotos: Thomas Langner
Das Rennen auf dem Mountainbike-Trainingsgelände von HWG Gedern und TGV Schotten ist seit Jahren von bundesweiter Bekanntheit. Die rund 600 Anmeldungen, die es in diesem Jahr hatte, waren Melderekord für das seit dem Jahr 2010 stattfindende Vulkan-Race in Gedern. Sommerlich Temperaturen nahe der 30-Grad-Marke waren ebenso ein Spitzenwert.
Nachdem hunderte Nachwuchssportlerinnen und -sportler im Rahmen des Hessencups und der German Cycling Nachwuchssichtungsserie am Samstag (23.05.) und dem Vormittag des Pfingstsonntags (24.05.) die anspruchsvolle Strecke unter die Stollenreifen genommen hatten, waren es am Sonntagnachmittag die Frauen und Männer der höchsten deutschen Mountainbike-Rennserie, die dem Publikum in Gedern Spitzensport ganz nah – auch zur mittelhessischen Region – boten. Für ein besonders nahes Erlebnis ist die Rennstrecke eigens für das Vulkan-Race mit einem parallelen Fußweg zum Zuschauen angelegt.
Lokalmatadorin Michelle Luft fährt an der Spitze mit
In Abwesenheit der Weltcup-Fahrer lieferte die zweite Garde bei der German Cycling Mountainbike-Bundesliga in Gedern ab. Paulina Lange (WSV Mehrstetten / Bulls Junior Team) und Tobias Steinhart (RSG Zollern Alb / Team Dowe Simplon) feierten starke Solosiege.
Steinhart schaute sich eine halbe der insgesamt sechs Runden seine Konkurrenz an – dann fuhr er „sein Tempo“, das schneller war als der Rest der knapp 40 Fahrer. Der 28-Jährige ließ die Konkurrenz schnell hinter sich und siegte souverän nach 1:14:42 Stunden. Sven Strähle (TSV Böbingen / Cube Next Generation XC) war der Einzige, der mit einer Minute Rückstand Steinhart ansatzweise folgen konnte. Dahinter allerdings entwickelte sich ein spannendes Rennen um den letzten Podestplatz, das letztlich der erst 18-jährige Elijah Witzak für sich entscheiden konnte. Im Sprint setzte er sich drei Minuten nach Steinhart gegen Martin Schirmer und Benjamin Muth (CC Cycling Club Winterberg / Team Nevora) durch.
Auch Lange fuhr ein langes Solorennen zu ihrem Sieg nach fünf Runden in einer Zeit von 1:18:38 Stunden. Lange, die zwei Tage zuvor ihren 19. Geburtstag gefeiert hatte, hatte einen souveränen Vorsprung von 90 Sekunden auf das ungleiche Verfolgerinnen-Duo: zum einen die schon 28-jährige Lokalmatadorin Michelle Luft vom TGV Schotten, die für das Team HWG Gedern fährt, zum anderen die ebenfalls 19-jährige Klara Müller (RC Mistral Neunkirchen / Riese & Müller MTB Racing Team), die sich auf der ansteigenden Zielgerade um nur wenige Zentimeter durchsetzen konnte. Michelle Luft fuhr eindrucksvoll vor heimischem Publikum als Dritte auf das Podium der Frauen Elite und U23. „Ich bin einfach meinen Stiefel gefahren und habe darauf geachtet, nicht zu überhitzen. Das ist heute perfekt aufgegangen“, sagte Siegerin Paulina Lange nach ihrer Zielankunft.
An der Spitze der Bundesliga-Gesamtwertung änderte sich nichts, da die bislang Führenden, der Däne Nikolaj Hougs (Cube) und die Österreicherin Katrin Embacher (KTM), bei den ersten beiden Läufen in Obergessertshausen und Heubach genügend Punkte gesammelt hatten.
Die nächste Station der MTB-Bundesliga ist vom 27. bis 28. Juni im tschechischen Asch.
Noah Jung fährt um die Topten
Auch für den Mittelhessen Noah Jung vom Team Delta-Bike XC war das Vulkan-Race als Höhepunkt in seinem Wettkampfkalender markiert. Dass das Rennen auch in seiner Saisonbilanz als Höhepunkt heraussticht, war eines der Ziele des gebürtigen Gießen-Wieseckers. 43 Rennfahrer der Herren Elite und Herren U23 waren mit Noah Jung bei der Int. MTB Bundesliga auf dem hohen C2-Niveau unterwegs. Als am nächsten gelegenes Cross-Country-Rennen (XC) war Gedern ein gefühltes Heimrennen für den Wahl-Biebertaler Jung. Und es war sein erstes Rennen für den AMC Rodheim-Bieber, dem sich Noah Jung nach 14 Jahren bei der RSG Gießen und Wieseck zu dieser Saison angeschlossen hat.
Vor heimischem Publikum sowie vielen Freunden und Bekannten an der Strecke hatte Noah Jung eine gute Startrunde und konnte sich früh im Bereich der Top 15 positionieren. Mit kontrolliertem, gleichmäßigem Tempo gelang es ihm in den ersten Rennrunden, einige Plätze gutzumachen. Runde für Runde arbeitete sich Noah Jung weiter nach vorne und fand sich schließlich im Kampf um die Topten wieder. Sogar Platz neun kam in greifbare Nähe.
„Besonders auf der anspruchsvollen Strecke fühlte ich mich technisch stark und konnte konstant Druck machen. Gegen Ende des Rennens machten sich jedoch zunehmend Krämpfe bemerkbar, die das Tempo erschwerten.“
– Noah Jung, AMC Rodheim-Bieber

Zum Finale kamen neben seinen Kontrahenten auch noch Krämpfe hinzu, die Noah Jung die Topten streitig machen konnten. Dadurch musste er zunächst etwas abreißen lassen und fand sich auf Rang zehn wieder. Gleichzeitig kam von hinten ein starker Belgier immer näher, der auf Platz elf lag und noch einmal alles versuchte. In der letzten Runde mobilisierte Jung trotz der Krämpfe noch einmal die letzten Reserven. „Nach einem erfolgreichen Aufschluss konnte ich sogar erneut in den Kampf um Platz neun eingreifen.“, freute sich Jung. Auf den letzten Metern entwickelte sich daraus ein spannender Zielsprint, in dem er sich dann wegen der Krämpfe letztlich knapp geschlagen geben musste und das Rennen auf dem achtbaren zehnten Platz beendete. 18 Sekunden zuvor erreichte Emilian See vom TGV Schotten das Ziel als starker Siebter und Viertbester U23-Fahrer. Vereinskollege Rico Libesch (TGV Schotten / Team HWG Gedern) fuhr auf Platz 32.
„Mit diesem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. Eine Topten-Platzierung bei einem internationalen Bundesliga-Rennen vor heimischem Publikum ist ein Resultat, auf das ich stolz sein kann. Besonders freut mich außerdem, dass ich mir wichtige Weltranglistenpunkte sichern konnte, die mir für die kommenden 365 Tage gutgeschrieben werden und meine Ausgangsposition bei der Startaufstellung bei zukünftigen internationalen Rennen verbessern.“, zog Jung sehr zufrieden seine Bilanz, die ihn für die kommenden Herausforderungen für ihn und das Team Delta-Bike XC optimistisch stimmt.
Auch im 90-Minuten-Rennen für Einzelstartende und Teams, sowie in den Rennen des MTB Hessencups gab es mittelhessische Starts und achtbare Resultate, die die beiden Renntage bei sommerlicher Witterung zu einem Höhepunkt machten.
Teamvorstellung 2026
So begann die Saison für Team DELTA-BIKE XC
GIESSEN – Das Team DELTA-BIKE XC fährt in seiner zehnten Saison als offizielles Team beim Dachverband German Cycling. Die in diesem Jahr vier Fahrer haben zwar zum Teil unterschiedliche Saisonhöhepunkte und Ausrichtungen – im August führt sie der Dünsberg Bike & Gravel Marathon mit besonderer Bedeutung gemeinsam vor heimisches Publikum. Und schon in den ersten Wochen der neuen Saison ging es einige Male auf Siegertreppchen. […]



