Drei Fragen an: Lukas Arzt

REDAKTION – In unserem Format „Drei Fragen an:“ befragen wir für euch Personen und Unternehmen, sowie Vereine und Veranstalter der mittelhessischen Radsportszene. Lukas Arzt ist ein Newcomer im XC-Sport, doch kein unbekannter in der Enduro-Szene.

Lukas Arzt, Jahrgang 1999, wohnt zu Füßen der Sackpfeife in Hatzfeld (Eder) und arbeitet als Maschinenbaukonstrukteur. Erst in der vergangenen Saison durch achtbare Ergebnisse bei XC-Rennen in unser mittelhessisches Radar gefallen, ist Lukas bereits seit 2015 dem Mountainbikesport verschrieben. Der Junge Mann aus dem Hinterland brauchte sich dort keineswegs verstecken. Als Endurofahrer im Team des Briloner Bikeshop „Liquid-Life“ erreichte Lukas im Jahr 2017 den dritten Gesamtplatz der Enduro One Rennserie, sowie den zweiten Platz im Juniorenrennen im Rahmen der Deutschen Enduromeisterschaften in Willingen. Der Endurosport ist vorerst Geschichte, doch die Begeisterung gegenüber Material und Technik nach wie vor entflammt. Wandern und Laufen erweitern Lukas sportlichen Horizont. Ob dabei der Gedanke eines großen Comeback entstand? Der Enduro-Spezialist kehrte wieder zurück auf’s Bike – ohne Enduro, doch dafür mit ordentlich Watt.

Hey Lukas, Deine Wurzeln verlaufen auf den Trails des Gravity-Sports. Die Zeiten im Integralhelm liegen hinter Dir. Seit zwei Jahren sind es vorwiegend XC Rennen, die Dein neues Interesse wecken. Erkläre uns gerne, wie der Sprung in die ausdauernden Disziplinen Cross Country und Marathon entstand?

Hi Zusammen! Zunächst möchte ich mich für Euer Interesse bedanken, ein cooles Format habt Ihr auf die Beine gestellt. Richtig, ich bin über die Enduro-Schiene in den Radsport eingestiegen. Mein erstes Enduro-Rennen fuhr ich 2015 und verbrachte die nachfolgenden vier Jahre zu 90 Prozent auf dem Enduro. Nach meiner Juniorenzeit erkannte ich recht schnell das es auch beim Enduro nicht mehr reicht bergab gut unterwegs zu sein. Daher organisierte ich mir ein XC-Hardtail für längere GA-Blöcke, da ein 15 kg Endurofully im Uphill nicht das angenehmste Rad ist (lach). Ich bekam das Hardtail im Spätsommer 2019 und „musste“ schnell feststellen, dass neben den Trails und Downhills plötzlich der Anstieg auf den Hausberg (Sackpfeife) Spaß machte. Letztendlich gab es an dieser Stelle einen Cut und das Enduro geriet in den Hintergrund. Im Herbst 2019 habe ich es nochmals während eines Enduro-Trips in Saalbach bewegt, wodurch meine Endurozeit standesgemäß beendet wurde (lach).
Wie bereits angedeutet verbringe ich seit dato die meiste Zeit meines Trainings auf dem Hardtail. Da mein Fokus bislang eher auf dem Bergabsport lag, hielt sich meine Fitness zu diesem Zeitpunkt stark in Grenzen. Das Positive der Anfangszeit im XC-Sport war, dass ich relativ schnell Fortschritte erzielen konnte. Je stärker man sich mit dem Sport auseinander setzt, desto deutlicher wird, dass durch den Umschwung viele neue Faktoren dazukommen. Angefangen von den eigentlichen Trainingsinhalten über die Ernährung bis hin zur Regeneration. Ich glaube, dass genau hier der Reiz liegt, weil diese Details unseren Sport so umfangreich und „komplett“ machen. Somit begann ich in 2020 erste Erfahrungen auf der XCM-Kurzstrecke zu sammeln, das durch die Pandemiesituation erschwert wurde. Erst dieses Jahr fuhr ich meine ersten beiden XCO-Rennen im Rahmen des MTB Rhein-Main-Cups. Um das Training neben meinem Berufsalltag möglichst effizient gestalten zu können, trainiere ich seit dem Sommer diesen Jahres in Zusammenarbeit mit Marian Kopfer (Training-mit-Köpfchen) erstmalig mit Struktur.

Du nimmst aktuell, als eine Art Newcomer, ohne Verein und Team an lizenzfreien Wettkämpfen teil. Im Rahmen des Stöffel Xtreme Cross & Gravel Bike Weekend konntest Du Ende November einen Gesamtsieg des Crossrennens der Hobbyklasse verbuchen. Auf der kürzesten Distanz des Dünsberg Bikemarathon (29 km) zeigtest Du mit einem 15. Gesamtplatz auch gegenüber starken Lizenzfahrern eine beachtliche Leistung. Sind Lizenzrennen und damit verbundene Meisterschaften zukünftig ein Thema für Dich?

Ja genau, Newcomer trifft es ganz gut. Wie bereits angesprochen fuhr ich kürzlich mein erstes Crossrennen im Westerwald (Stöffel Xtreme). Lief gut, hatte mega viel Spaß und ggf. lege ich nächsten Winter einen größeren Fokus auf die CX-Saison. Hauptaugenmerk wird allerdings weiterhin auf dem MTB-Sektor liegen, im Speziellen auf den Bereichen XCO und XCM-Kurzstrecke. Leider habe ich bisher noch keinen passenden Verein gefunden. Hierbei ist mir wichtig, dass die Ausrichtung dementsprechend auf dem MTB-Sport liegt. Zusätzlich möchte ich für einen „heimatnahen“ Verein fahren, mit dem ich mich identifizieren kann. Über Diesen möchte ich dann gerne die bereits angesprochene Lizenz lösen. Ich bin nicht so der Fan von „inaktiven“ Mitgliedschaften und möchte, wenn möglich, ab und zu mit meinen Vereinskollegen auf dem Rad sitzen und mich im Verein einbringen können.

Du wohnst in Hatzfeld zu Füßen der Sackpfeife, dessen Erhebung vor allem unter Rennradfahrer*innen eine beliebte Bergankunft darstellt. In deinen Profilen auf Instagram und Strava sehen wir Dich neben dem Mountainbike-Hardtail auch auf dem Rennrad über den Asphalt rollen. Welche Touren-Tipps oder attraktiven Orte kannst Du, als Local Hero, der MTB- und Straßenszene rund um die Sackpfeife empfehlen?

Die Sackpfeife als Hausberg vor der Tür zu haben ist optimal für mich. Der Berg ist vielseitig und bietet diverse Trainingsmöglichkeiten für das MTB. Steile Rampen für intensive VO2max-Einheiten, lange Anstiege mit mehr als 400 Höhenmetern und zwei, drei Trails gibt’s gratis dazu. Wenn man erstmal oben angekommen ist bietet das „Hinterland“ unzählige Möglichkeiten und es wird nie langweilig. Meine Lieblingsrunde für längere Einheiten ist ca. 70 km lang und man sammelt über 2.000 Hm – das für unsere Region echt cool ist. Belohnt wird man zudem mit fünf Trails, sodass die Technik auch nicht zu kurz kommt. Wenn mir die Sackpfeife dann doch mal zu eintönig wird, verschlägt es mich häufig in Richtung Wittgenstein. Über diverse Zubringer findet man recht schnell einen Weg zum nahegelegenen Rothaarsteig (RHS), der für alle Marathon begeisterten Radfahrenden ein Erlebnis ist. Mein persönliches Highlight-Stück verläuft von Winterberg (Kahler Asten) über Kühhude/Schanze in Richtung Erndtebrück. Neben dem Rothaarsteig bin ich dieses Jahr den „Wittgensteiner Panoramaweg“ abgefahren, der auf dem Papier Parallelen zum RHS aufzeigt, allerdings deutlich angenehmer zu fahren ist. Auch er hat eine Länge von 150 km und beinhaltet ca. 3.600 Hm. Der Singletrail-Anteil fällt im Vergleich zum RHS nicht so hoch aus, allerdings steuert man viele Sehenswürdigkeiten an und er ist mit dem MTB vollständig fahrbar. Wobei ich dazusagen muss, dass man mit solchen Aussagen zum aktuellen Zeitpunkt eher vorsichtig sein sollte. Aufgrund der Waldrodungen verändert sich unser Wald gefühlt im Wochentakt. Beide Routen stehen schon auf meiner To-Do-Liste für 2022.

Wie man vermutlich heraushören kann, brauche ich mich über mein Offroad-Revier nicht beschweren. Wenn’s mich auf das Rennrad verschlägt, das durchaus häufig vorkommt, sehen meine Möglichkeiten ähnlich aus. Unsere Standardroute führt zunächst über benachbarte Dörfer in Richtung Bad Berleburg. Von dort fahre ich gerne einen meiner Lieblingsanstiege auf den Albrechtsplatz (im Sommer muss man sich mit vielen Motorradfahrern anfreunden). Ist man dort angekommen zeigt der Wahoo meist um die 1.500 Hm an. Doch dann beginnt der eigentliche Spaß erst. Man gelangt schnell in den Schmallenberger oder Winterberger Raum, wodurch unzählige Anstiege gefahren werden können. Auf meiner Liste steht die Strecke von Oberkirchen, über Nordenau nach Altastenberg und abschließend auf den kahlen Asten ganz oben. Sofern samstags genügend Zeit vorhanden ist, kann sich die Route problemlos über 4.000 Hm erstrecken. Den Espressokonsum sollte man allerdings auch im Hinterkopf haben, da man genügend gute Cafés ansteuern kann! Das Sauerland ist für jeden Radfahrer, unabhängig mit welchen Reifen man unterwegs ist, der Hammer. Sobald man den Albrechtsplatz überfährt fühlt man sich direkt als wäre man im Urlaub.
Ich hoffe ich konnte Euch ein paar Eindrücke vermitteln und gegebenenfalls trifft man sich ja mal in meiner Heimat. Wer konkrete Routenvorschläge oder -ideen sucht, wird über mein Strava-Profil sicherlich fündig.

Ich bedanke mich für Eure Fragen und das Interview. Alles Gute und viel Erfolg für die kommende Saison!

Auch wir sagen Danke an Lukas und sind gespannt auf Deine bevorstehende Saison!

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Matthias Steinberger
Stv. Redaktionsleitung | Leitung Fotoredaktion | Ressortleitung Mountainbike, Radreise, Technik | Formatchef "Wohin am Wochenende" | mst@radsportnachrichten.com

Wohnt in Gießen, treibt seit dem Jahr 2018 das Ressort Mountainbike voran und ist Erfinder und Leiter des Formats "Wohin am Wochenende". Als Stv. Redaktionsleiter ist er eine Säule der Redaktion und zählt zum Inventar. Seine Wurzeln liegen im XC-Sport und führten durch mehrere Stationen. Der noch immer aktive Ausdauersportler ist keineswegs festgefahren. In unserer Redaktion stürzt er sich voller Begeisterung in die Welt des Radsports.

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