Eise übersteht heißen Ritt der deutschen Spitze

STUTTGART – Während sich die deutsche Spitze im Straßenradsport mit vollem Einsatz um den Titel des Landesmeisters duellierte, gelang Tobias Eise vom TGV Schotten nach Platz 14 im Einzelzeitfahren auch ein achtbares Ergebnis im Straßenrennen.

Die Liste der ausgeschiedenen Fahrer war, wie schon am Vormittag im Rennen der Frauen, auch bei der Männer Elite wesentlich länger als die Ergebnisliste. Von 198 gestarteten Fahrern erreichten nur 48 Fahrer das Ziel. Zur Selektion trugen die schwere Strecke, mit einem über zwei Kilometer langen Anstieg, das hochsommerlich tropische Wetter und nicht zuletzt die Duelle an der Spitze des Rennens bei.

Die letzten neun Kilometer wurden zur Triumphfahrt des Berliners Maximilian Schachmann vom Team BORA-hansgrohe: Schachmann konnte zum Ende der vorletzten von 25 Runden im Stuttgarter Süden seinen letzten Wegbegleiter, den Rottweiler Jonas Koch (Intermarché-Wanty-Gobert-Matériaux) abschütteln und nach 185,3 Kilometern einen souveränen Solosieg feiern. Platz zwei ging an Jonas Koch, der 1:08 Minuten hinter Schachmann über den Zielstrich fuhr. Den Sprint um Platz drei gewann Kochs Teamkollege Georg Zimmermann, der Emanuel Buchmann (BORA-hansgrohe) auf der Zielgeraden auf den vierten Platz verdrängte.

Alle Strapazen tapfer wegstecken konnte auch Tobias Eise vom TGV Schotten, der das extreme „Ausscheidungsfahren“ überstand und mit Platz 34 von lediglich 48 Fahrern im Ziel nicht unzufrieden gewesen sein dürfte. Eise, der seinen Schwerpunkt aktuell vom Mountainbike auf den Straßenradsport verlagert hat, bewies damit eine gute Verfassung, die umso höher zu bewerten ist, wenn man das Einzelzeitfahren vom Vortag und seinen 14. Platz berücksichtigt, den er trotz eines Reifenschadens fünf Kilometer vor dem Ziel noch erreichte. Zwei Wochen zuvor klappte es mit der Doppelbelastung zweier aufeinander folgender Renntage noch nicht ganz so gut: Eise hatte in Gippingen in der Schweiz Platz 23 im Straßenrennen der Rad-Bundesliga geholt und war am nächsten Tag bei der Deutschen Meisterschaft im Mountainbike Cross Country gestartet, die bei seinem Heimrennen, dem Vulkan Race des TGV Schotten, in Gedern stattfand. Dort hatte es Eise jedoch nicht ins Ziel geschafft. Bei der Straßenrad-DM dürfte sich Eise etwas an die Mountainbike-DM erinnert haben, denn in Georg Egger vom LEXWARE Mountainbike Team hatte Eise den Bronzemedaillen-Gewinner aus Gedern vor sich. Egger kam auf Platz 30 zeitgleich mit Eise und 7:58 Minuten hinter dem neuen Deutschen Meister Maximilian Schachmann ins Ziel.

Deutsche Spitze zieht im Titelkampf alle Register

In der 13. Runde hatte Schachmann, der Titelträger von 2019, attackiert – im folgte Georg Zimmerman vom Team Intermarché-Wanty-Gobert-Matériaux. Kurz danach schloss Schachmanns Teamkollege Nils Politt auf, und beim nächsten Anstieg kam Emanuel Buchmann dazu. Zu viert konnten sie den Vorsprung ausbauen, die ersten Verfolger mit Jonas Rutsch (EF Education-Nippo) und Janik Steimle (Deceuninck Quick Step) lagen zehn Runden vor Schluss 25 Sekunden zurück; das Feld hatte schon über eine Minute Rückstand. Eine weitere Runde später musste Nils Politt aber am Schönberger Anstieg reißen lassen und das Trio Zimmermann, Schachmann, Buchmann gestaltete das Finale.

Die beiden Bora-Fahrer versuchten in den nächsten Runden immer wieder mit plötzlichen Attacken Zimmermann aus der Reserve zu locken. Doch der 23-jährige Bayer war hoch konzentriert und ließ sich nicht abschütteln. Durch das taktischen Geplänkel des Trios konnten drei Verfolger 20 Kilometer vor dem Ziel aufschließen: Nils Politt und Marcus Burghardt von Bora-hansgrohe und Jonas Koch, der wie Zimmermann im belgischen Team Intermarché-Wanty-Gobert-Matériaux unter Vertrag steht. Dahinter folgte eine größere Gruppe um Rutsch und Steimle. Die Überlegenheit von Bora endete aber schon nach wenigen Kilometern, als Burghardt und Politt abreißen lassen mussten und damit zwei Fahrer von Bora und zwei von Wanty an der Spitze lagen. Jetzt drehte Bora den Spieß um, ließ die Konkurrenz des belgischen Rennstalls arbeiten. Und dann attackierte Schachmann. Nur Jonas Koch konnte zunächst folgen; Buchmann und Zimmermann fielen zurück.

Mit einer neuerlichen Attacke setzte sich Maximilian Schachmann neun Kilometer vor dem Ziel aber allein an die Spitze und feierte einen klaren Solosieg. Die beiden Intermarché-Profis Jonas Koch und Georg Zimmermann, die BORA-hansgrohe das Leben ganz schön schwer machten, belegten die Plätze zwei und drei. Robin Fischer vom RSV Nassovia Limburg, der für das Team Wheelsports-Metropol Racing fährt, musste sich nach dem aufreibenden Rennen in die lange Liste der ausgeschiedenen Fahrer einreihen.

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Stephan Dietel
Gründer | Redaktionsleitung | CvD | Ressortleitung Straße | Leitung Multimediaredaktion | sd@radsportnachrichten.com

Er wohnt im Gießener Ortsteil Rödgen und legte im Jahr 2001 mit Erlebnisberichten über selbst gefahrene Radrennen den Grundstein. Mit großem Interesse am Radsport und am Journalismus entwickelt er mit seinem Team die Radsportnachrichten aus Mittelhessen immer weiter.

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