In 51 Stunden durch die Alpen

LUBLJANA – Der Laubacher Jannes Möll stellte sich vor wenigen Tagen der Herausforderung des RAD RACE 96 HOURS Slovenia. Für die insgesamt 556 Kilometer und rund 8.100 Höhenmeter quer durch die Alpen benötigte der passionierte Radler nur 51 Stunden.

Jannes Möll kommt ursprünglich aus dem Mountainbikesport. Der gebürtige Laubacher aus dem Ortsteil Röthges fuhr letztlich mit einem unkomfortablen Enduro-Fully beachtliche Touren auf Fernradwegen quer durch Hessen – weil er nur dieses eine Bike besaß. Nachdem er sich ein Gravelbike zulegte, entfachte eine Leidenschaft für Langstreckenfahrten. Das Mountainbike spielte in seinem Leben fortan keine Rolle mehr. Unterwegs auf einem 8bar Grunewald sammelte er in den Alpen bereits Erfahrungen mit Material und Kräften. Strecken um die 150 bis 200 Kilometer mit entsprechenden Höhenmetern bewältigte er mühelos – Tag um Tag. Doch eine Strecke von 556 Kilometern von der slowenischen Hauptstadt Lubljana bis zum Achensee in Tirol in 96 Stunden zu absolvieren, stellte Jannes vor eine zuvor unerprobte Herausforderung. Im Rahmen des RAD RACE 96 HOURS Slovenia warf er sich ins kalte Wasser und ließ es auf den Versuch ankommen. An Selbstbewusstsein mangelte es dem Ausnahmeathleten nicht!

„Ich war mir sehr sicher, dass ich die Tour in den vorgeschlagenen vier Etappen des Veranstalters schaffe. Deshalb habe ich mir als Ziel drei Tage gesetzt und war schon etwas besorgt, dass ich mich damit übernehme – bei so vielen Höhenmetern.“

Jannes Möll vor dem Start

Willkommen in Slowenien

Das Bike und Equipment hinein in den Kofferraum und aus Mittelhessen hinunter nach München. Dort organisierte der Veranstalter des RAD RACE am 13. Juni um 11 Uhr die Abfahrt eines Bus-Shuttle nach Lubljana. Am Tag darauf, dem 14. Juni, erfolgte morgens um 5 Uhr der Start des 96 HOURS. Jannes fehlte in der Masse der rund 190 Teilnehmenden. Auf dem Weg vom Hostel zum Startpunkt stoppte er am Wegesrand um einem Teilnehmer bei einer Reifenpanne zu helfen. So fuhren beide dem großen Feld leicht verspätet hinterher. Der Streckenverlauf führte gen Westen nach Žaga und anschließend durch das Soča-Tal über den höchsten Punkt, dem Vršič-Pass (1.611 m), um den Triglav Nationalpark nach Kranjska Gora. Dort besiegelte Jannes nach 193 Kilometern und 3.520 Höhenmetern seine erste Etappe mit Pizza und Bier. Obwohl zum Biwakieren alles vorbereitet war, fiel die Erholungsphase spontan auf ein Hotel.

Rekordfahrt nach Tirol

Am zweiten Tag (15.06.) freute sich Jannes zu Beginn der Weiterfahrt über erstaunlich gute Beine. Dem Gail- und Drautal folgend machte die Route einen nördlichen Bogen um die Dolomiten. Paralell der Pustertaler Bundesstraße wurde der Übergang in das Eisacktal geschlagen – um über den Brenner nach Innsbruck zu fahren. Bevor die Einbiegung in das Eisacktal erfolgte nahm sich Jannes nach weiteren 200 Kilometern Zeit für ein Abendessen. Als Dessert entschied er sich für die Weiterfahrt.

„Irgendwann war die 300 km Marke auch nicht mehr weit und als ich nachts um 3:00 Uhr am Brenner Richtung Innsbruck gestartet bin wusste ich, dass ich bis ins Ziel fahren werde.“

Jannes Möll auf seiner zweiten Etappe nach 200 Tageskilometern (400 km Gesamt)

Von seinem Abenteuer gepackt, fuhr Jannes die komplette Nacht immer weiter. Nach seiner Rekordfahrt von 378 Kilometern und 4.772 Höhenmetern am Stück war am Donnerstagmorgen (16.06.) um 8:13 Uhr das Ziel am Achensee in Tirol erreicht. Nur 51:13 Stunden nach seinem Start in Lubljana rollte der Mittelhesse auf dem 16. Platz durch den Zielbogen. Die drei geplanten Etappen wurden spontan auf zwei gekürzt. Insgesamt 571 Kilometern und 8.292 Höhenmetern steckten in den Beinen – und es wurden noch mehr!

Im Ziel

Von den rund 190 gemeldeten Teilnehmenden haben es 130 innerhalb der 96 Stunden an den Achensee geschafft. Der schnellste Fahrer, Frederik Niessen, benötigte beachtliche 26:37 Stunden – vermutlich komplett ohne Schlaf durchgefahren.

Einen detaillierten Streckenverlauf findet ihr auf komoot.

Unaufhaltsam nach München

Am Nachmittag nach seiner Zielankunft fühlte sich Jannes nicht nur zufrieden, sondern weiterhin noch voller Tatendrang. Sein Auto parkte er vor drei Tagen in München. Der Bus-Shuttle zurück fuhr wiederum erst in zwei Tagen ab, wenn alle Teilnehmenden im Ziel sind. Er musste nicht lange überlegen und stieg nach einem kurzen Aufenthalt am Achensee zurück auf den Sattel um weitere 100 Kilometer nach München zu pedalieren.

„Ich habe gemerkt, dass es mir doch einfacher fällt als gedacht, so weit und lange zu fahren – solange ich Essen bekomme. Und ein Nabendynamo ist sehr gut, aber für langsame steile Gravel-Anstiege braucht man noch eine zusätzliche Lampe mit Akku.“

Eine Erkenntnis von Jannes Möll über sein erstes Langstreckenrennen mit Nachtfahrt.

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