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Noah Jung rutscht bei DM auf Platz neun

OBERGESSERTSHAUSEN – Ist das noch Cross Country oder schon Cyclocross? Unter erschwerten Bedingungen bewies Noah Jung harte Nerven und rutschte auf Platz neun der deutschen Cross Country Meisterschaften.

Am vergangenen Samstag (24.10.) erfolgten im südbayerischen Obergessertshausen für die Altersklassen der U19, Elite und Masters die deutschen Meisterschaften im Cross Country. Es ereigneten sich Rennen unter extremsten Bedingungen, die so schnell keiner der teilnehmenden Fahrer*innen und Betreuer vergessen wird. Starke Regenfälle sorgten bereits vor den Rennen dazu, dass die Strecke einem wahrhaftigen Schlachtfeld ähnelte. Das saftige Grün der Wiesen war nur noch neben dem Absperrband zu erkennen. Die anspruchsvoll angelegten Waldpassagen waren teilweise lediglich neben dem Rad laufend oder rutschend zu bewältigen. Das galt sowohl bergauf, als auch bergab. Wer sich bereits ein klassisches Cyclocross-Rennen vor Augen führte, kann die Bedingungen in Obergessertshausen bestens einordnen. 

Bereits im Training der Streckenbefahrung war den vier mittelhessischen Mountainbike-Spezialisten Michelle Luft (U23), Ben Hirl (U19), Rico Libesch (U23) und Tobias Eise (Elite) des TGV Schotten, sowie U23 Fahrer Noah Jung von der RSG Gießen und Wieseck durchaus bewusst, dass es für jeden von ihnen ein sehr spezielles Rennen wird. Die Frage war weder wie, sondern ob das Ziel überhaupt erreichbar ist. Es dauerte keine einzige Runde bis das Bike derartig von Gras und Schlammanhäufungen befallen war, dass sich die Räder kaum noch bewegten. Wie soll das in den Wettkämpfen über vier und fünf Runden funktionieren?

Noah Jung rutscht erfolgreich über den Rundkurs

Im zu Beginn noch als blau erkennbaren Trikot des Teams DELTA-BIKE.DE startete der Wiesecker Noah Jung von Platz 15 in das Meisterschaftsrennen der Klasse U23. Für die etwa vier Kilometer lange Strecke waren fünf Runden angesetzt. Zusätzlich eine verkürzte Startrunde, die der Doppel-Hessenmeister im Marathon und Cross Country zunächst auf Platz zwölf hinter sich ließ. In der ersten großen Hauptrunde zog sich das Fahrerfeld weit auseinander. Alle suchten auf den Wiesen-, Verzeihung, Schlammabschnitten die Ideallinie in unmittelbarer Nähe des Absperrbandes. Ein kräfteraubendes Unterfangen für denjenigen, der es nicht auf das verbleibende Grün des Streckenrandes schaffte. Eine Verfolgung einzelner Fahrer war kaum möglich. Jeder hatte mit sich selbst und der Aufrechterhaltung seines Materials zu kämpfen. Noah stoppte jede Runde in der Technik-Zone um sich von seinen Betreuern den Antrieb reinigen zu lassen. Vater Jung bekam dabei tatkräftige Unterstützung einer Gemeinschaft des TGV Schotten und Teams HWG Gedern, die mit einer Wasser gefüllten Hochdruckpumpe versuchten den Schlamm abzusprengen. Ihr eigener Fahrer, Rico Libesch, fiel dem Schlamm der Strecke vorzeitig zum Opfer und musste aufgeben. Dass anschließend einem „Vereins fremden“ Fahrer geholfen wird ist äußerst lobenswert.

Zurück auf dem Sattel blieb Noah hoch konzentriert. Das Bike über die Strecke zu bewegen beziehungsweise sich darauf sitzend und rutschend aufzuhalten erfordert mehr, als eine starke Fahrtechnik. Es braucht Nerven wie Drahtseile um sich fünf Mal durch einen solchen Kurs zu wühlen. Noah hielt sich bis zur vorletzten Runde auf Platz zehn. In den letzten beiden Runden ging die Wiesecker Gazelle erneut in Angriffsstellung und erkämpfte sich den neunten Platz der stärksten deutschen U23 Mountainbiker – und das in einem Rennen, dessen Erreichen des Zieles keine Selbstverständlichkeit war. Das wusste Noah durchaus zu schätzen: ,,Ich bin super happy mit meinem neunten Platz im zweiten Jahr der U23 Klasse. Nun geht es in die verdiente Off-Season. Auch wenn die Saison durch Covid-19 sehr kurz war, so war sie für mich sehr erfolgreich. Für das nächste Jahr wünsche ich mir und für alle anderen Sportler wieder eine normale Saison“. 

Deutscher Meister der U23 wurde David List (Lexware MTB Team) vor Niklas Schehl (Team Bulls) und Silas Graf (Team Texpa-Simplon). Bei den U23 Frauen rutschte Michelle Luft (TGV Schotten / Team HWG Gedern) am Podest vorbei und belegte den vierten Platz hinter Emma Blömeke (Conway Factory Racing). Den Titel holte sich Nina Benz (jb Brunex Felt Factory) nur 45 Sekunden vor Lia Schrievers (German Technology Racing).

Im Rennen der Junioren U19 musste sich Ben Hirl (TGV Schotten / Team HWG Gedern) der Schlammpackung geschlagen zeigen und beendete mit neun weiteren Fahrern das mit vier Runden angesetzte Rennen bereits nach der ersten großen Runde. Einen technischen K.O. erlitt, nach eigenen Aussagen, Tobias Eise (TGV Schotten / Team HWG Gedern) im Rennen der Elite.

(Text: mst | Titelfoto: Armin M. Küstenbrück, EGO-Promotion)

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