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Letzte Medaille für Ron Pfeifer

Ron Pfeifer

BIEDENKOPF – Lokalmatador Ron Pfeifer (RSG Buchenau) stand beim traditionellen Bergzeitfahren zur Sackpfeife als Zweiter der Eliteklasse auf dem Siegertreppchen. Und er freute sich. Doch an kleinen Details konnte man erahnen, dass es kein gewöhnlicher Podestplatz für ihn war.

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Es soll seine letzte Medaillen, gar sein letztes Radrennen gewesen sein, hatte er wenige Minuten zuvor im Ziel auf dem Plateau der Sackpfeife bekanntgegeben. Mit dem Kampf gegen die Uhr an seinem Hausberg, der diesmal als Bezirksmeisterschaft im Bergzeitfahren diente, hatte sich Pfeifer ein würdiges Abschiedsrennen ausgesucht – und sich einen erfolgreichen Abschluss obendrein beschert.

Die RSG Buchenau stellte ihr traditionelles Bergzeitfahren auf die Sackpfeife diesmal dem Radsportbezirk Lahn für die Bezirksmeisterschaft in dieser Disziplin zur Verfügung und löste damit ein vor der Saison gegebenes Versprechen ein: Als Gegenleistung für die im Juni von der RSG Gießen und Wieseck wiederbelebte Meisterschaft im Straßenradrennen versprach man, die Bergmeisterschaft in Biedenkopf ausrichten.

Vorteilhafte Baustelle

Die derzeit noch laufenden Bauarbeiten auf der Bundestraße 253 spielten der RSG Buchenau dabei in die Karten, denn die Straße ist derzeit noch für den fließenden Verkehr gesperrt und so freute man sich über eine tadellose, neue Asphaltdecke und geringsten Aufwand für die Absicherung der Zeitfahrstrecke. Statt wie üblich am Ortsausgang von Biedenkopf zu starten verzichtete man deshalb auf den ersten flachen Kilometer von insgesamt 7,8 und startete in Ludwigshütte hinter der offiziellen Vollsperrung der Bauarbeiten. Die waren im oberen Bereich weit genug fortgeschritten, dass man ideal auf die eigentliche Sackpfeifestraße abbiegen konnte.

Siegerehrung Bergzeitfahren Sackpfeife

Start-Ziel-Sieg beim Bergzeitfahren: Kimi-Tjark Dauber (Mitte, MSC Salzbödetal) war erster Starter und gewinnt bei den Schülern U11. Foto: Stephan Dietel

Jäckel gewinnt Junioren-Duell

Mit Starternummer Eins versehen ging Kimi Tjark Dauber vom MSC Salzbödetal als Erster auf die Strecke. Nach 21:56 Minuten erreichte er das Ziel auf der 674 Meter hohen Sackpfeife und damit Platz eins in der Klasse der Schüler U11 vor Tim Nissel von der RV Gießen-Kleinlinden, der 25:29 Minuten brauchte und Joelle Messemehr (28:00 Minuten, RSG Frankfurt). Das vereinsinterne Duell der starken Buchenauer Juniorenfraktion entschied Bastian Jäckel für sich, die trotz abgefallener Kurbel und damit auf den letzten 200 Metern einbeinig unterwegs, mit 18:53 Minuten vor Alexander Becker ankam. Der brauchte 19:18 Minuten und freute sich sichtlich über die insgesamte zweite Medaille seiner jungen Laufbahn. Auf Platz drei kam Jan Hagenbruch mit 20:04 Minute Fahrzeit.

Lemmer gewinnt bei Senioren III

Ein deutliches Zeichen seiner Stärke am Berg setzte Frank Lemmer vom RSV Marburg mit 16:48 Minuten bei den Senioren III vor Arnold Köckerling (19:42) von der RSG Buchenau. Tochter Ronja Köckerling trat im Hinterländer Duell der Frauen 18:50 Minuten in den neuen Asphalt und wurde damit Bezirksmeisterin im Bergzeitfahren vor den Mountainbikerinnen Birgit Jüngst-Dauber (20:34) und Vanessa Schmidt (21:18) vom MSC Salzbödetal. Paula Weg (24:07) freute sich weniger über Platz vier als vielmehr über die Tatsache überhaupt gestartet zu sein, nach dem sie sich drei Tage zuvor bei einem Sturz im Rennen deutlich sichtbar am Bein verletzt hatte. Jens Bösser (19:03, RSG Buchenau) hinter Christian Schmidt (17:06, RSG Gießen und Wieseck) bei den Senioren II und Thomas Schmidt (18:02, MSC Salzbödetal) hinter Marian Kopfer (17:26, TV Haiger) bei den Senioren I holten zwei weitere Vize-Bezirksmeistertitel und damit Silbermedaillen ins Hinterland.

Vanessa Schmidt

Im Duell der drei Hinterländer Frauen: Die Fahrt von Vanessa Schmidt (MSC Salzbödetal) bringt die Bronze-Medaille ein. Foto: Stephan Dietel

Abschieds-Stimmung am Hausberg

Und dann schlug die Stunde für Elitefahrer Ron Pfeifer. Bruder Kevin Pfeifer schickte an diesem Tag als Starthelfer die Fahrer auf die Strecke – als Betreuer im Profi-Radteam Giant-Alpecin war er genau der richtige Mann dafür. Und so war er live dabei als die letzten fünf Sekunden für den letzten Start seines Bruders runtergezählt wurden. Und der trat die 7,8 Kilometer zum Sackpfeife-Plateau mit mächtiger Kraft. Freundin Tabea empfing ihn nach 17:13 Minuten als Erste hinter dem Zielstrich wo er nach dem obligatorischen Küsschen schon nach wenigen Sekunden wieder Rede und Antwort stehen konnte – hatte er doch etwas zu sagen, was nur Freunde und Familie wussten: „Für zwei Wochen Training ist meine Fahrzeit sehr gut gewesen. Das war ein guter Abschluss“. Doch damit meinte er nicht etwa das Saisonende, den Wechsel auf das Crossrad oder eine Pause. Er meinte das Ende seiner Radsport-Laufbahn. „Das war mein letztes Rennen. Nach 16 Jahren Radsport ist jetzt Schluss. Ich habe eine keine Lust mehr. Seit meiner Erkrankung (Pfeiffersches Drüsenfieber vor zwei Jahren, Anm. d. Red.) ist einfach die Luft raus.“, gab Pfeifer entschlossen zu Protokoll.

Und wie geht es für ihn jetzt weiter? Laufen, Krafttraining und Kickboxen stünden jetzt auf dem Plan und im neuen Jahr vielleicht Laufwettbewerbe über die Marathon-Distanz. Eine Pause vom Radrennsport mag man Ron Pfeifer nach so langer Zeit gönnen – ein echtes Ende aber würde man doch sehr bedauern. Mit der Silbermedaille hinter Alister Clay (16:27, RSG Gießen und Wieseck) und dem Vize-Bezirksmeistertitel im Bergzeitfahren setzte er seiner Laufbahn an seinem Hausberg aber ein ehrenvolles Ende. (sd | Fotos: Stephan Dietel)

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