Vor Verfolgern und der Langeweile geflohen

EINHAUSEN – Erfolg ist, wenn man das erreicht, was man sich zum Ziel gesetzt hat. So gesehen kann der Burkhardsfeldener Victor Brück seine Teilnahme an der DM im Straßenradrennen der Männer Elite trotz Platz 162 als Erfolg werten.

Zwar spielten er und seine Teamkollegen vom Herrmann Radteam bei der Vergabe des Deutschen Meistertitels im südhessischen Einhausen am Ende keine Rolle. Den Titel sicherte sich nach 228 Kilometern und fast fünf Stunden Renndauer Profi Pascal Ackermann vom Team Bora-hansgrohe, vor John Degenkolb (Trek-Segafredo) und Max Walscheid (Team Sunweb). Doch Victor Brück hat das Rennen um das Trikot mit dem schwarz-rot-goldenen Brustring eindrucksvoll mitgestaltet und einen Großteil des Renntages geprägt.

„Durchfahren ist hier ein Muss. Man muss sehen, wie sich das Rennen entwickelt – ob es zum Massensprint kommt, oder nicht. Wir schauen, dass eine Gruppe entsteht. Dann heißt es, das Team zu präsentieren“, hatte Brück mit Blick auf die Teamtaktik für den vollkommen flachen, zwölf Kilometer langen und 19 Mal zu fahrenden Rundkurs gesagt. Mit zehn Fahrern war Brücks Bundesligamannschaft gut aufgestellt und zeigte schon auf den ersten der 228 Kilometer die ausgerufene, offensive Fahrweise: Wann immer Fahrer attackierten und versuchten, damit eine Ausreißergruppe zu initiieren, war ein Mann im blauen Trikot des Herrmann Radteam dabei.

130 km in Fluchtgruppe

Zum Ende der zweiten Runde entstand eine achtköpfige Spitzengruppe und Victor Brück war mit von der Partie. Bis auf 4:40 Minuten bauten sie ihren Vorsprung aus. Nach 130 km langer Flucht wurden sie wieder eingeholt. Es entstand erneut eine achtköpfige Ausreißergruppe mit neuen Namen, die erst in der Schlussrunde gestellt wurde. Dann brachten sich die Teams der Sprinter in Position und das Feld ging geschlossen auf die letzten 3.000 Meter. Im Sprint setzte sich dann Ackermann vor Degenkolb und Walscheid durch.

Prägten gut die Hälfte des Renntages um die Deutsche Meisterschaft der Männer Elite: Der Burkhardsfeldener Victor Brück (rechts) vom Herrmann Radteam und seine Begleiter in der achtköpfigen Ausreißergruppe. Foto: Stephan Dietel

Victor Brück wurde auf Platz 162 notiert. Wer aber glaubt, nach seiner langen Flucht von rund 130 Kilometern habe sich er sich vollkommen erschöpft und gerade so noch ins Ziel retten können, der irrt. Der U23-Fahrer verfügt nämlich nicht nur über eine sehr stabile Kondition, sondern auch über eine sehr professionelle, taktische Herangehensweise. Gepaart mit seinem stets präsenten Lächeln entsteht ein Eindruck, der selbst sportlichen Mammutaufgaben eine gewisse Leichtigkeit verleiht, ohne die Leistung zu schmälern. „In unserer Ausreißergruppe waren keine Profis. Die waren noch hinten und wir wussten, dass sie uns erstmal fahren lassen würden. Am Anfang mussten wir schon richtig reintreten, um den Vorsprung schnell zu vergrößern. Dann haben wir unser Tempo gehalten. Da fährt aber niemand um sein Leben“, schildert Brück die Fahrt in der Fluchtgruppe und ergänzt: „Mich hat eher gewundert, dass sie uns so früh wieder eingeholt haben, denn dadurch wurde das Rennen für die Profis wieder unkontrollierbar und die nächste Ausreißergruppe bildete sich. Ich hätte eher damit gerechnet, dass sie uns länger fahren lassen. Auf den letzten 30 Kilometern formieren sich dann die Sprinter und machen auf so einer flachen Strecke ihr Ding.“

Am Ende auf Sicherheit gesetzt

Als zum Ende der 228 Kilometer dann die Sprinter in Position waren, habe er es locker angehen und sich am Ortseingang von Einhausen zurückfallen lassen. „Da macht es auch keinen Sinn mehr, für Platz 50 noch einen Sturz zu riskieren“, erklärt Brück routiniert und umsichtig. Ob er das Rennen als Erfolg wertet? Sich und das Team in der Spitzengruppe präsentiert zu haben, sei sehr gut und auch ein gutes Training gewesen. „Sonst ist so ein flaches Rennen echt langweilig. Da hängst du im Windschatten und musst die halbe Runde nicht treten“, sagt Brück mit einem Schmunzeln und dieser scheinbaren Leichtigkeit, die er auch bei der Frage nach seinem nächsten Renneinsatz rüberbringt: „Nächste Woche fahre ich dann die Europameisterschaft. Da bin ich mit der Nationalmannschaft am Start. Nach dem letzten Bundesligarennen hat der Bundestrainer angerufen und gefragt, ob ich mitfahre“, verrät Brück mit seinem Lächeln. Was man dort von ihm erwarten kann? „Da muss ich erstmal schauen, was meine Aufgabe im Team ist“, gibt er professionell einordnend zu bedenken. (sd | Fotos: Stephan Dietel)

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