Vorbereitung mit gefühlten drei Rennen

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GIESSEN/KIRCHHAIN – Der Gießener Matthias Steinberger bereitet sich auf das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring (27.- 29.07.) vor. Beim Hunburg-Marathon in Kirchhain absolvierte er die nächste Vorbereitung und schildert sie in einem Erlebnisbericht.

Fahre ich vor dem 24-Stunden-Rennen Ende Juli noch ein Test-Rennen? Das erste seit September 2017? Ja, ich habe mich kurzfristig für Kirchhain entschieden. Und ja, ich habe gehörigen Respekt davor wieder ein Rennen dieser Art zu fahren. Am Samstag alles akribisch vorbereitet und mental darauf eingestellt. Der ganze Aufwand drohte jedoch am Morgen vor dem Rennen zu kippen: Totalausfall aller Züge am Gießener Bahnhof. Eine Stellwerkstörung ist schuld. Äh, und wie komme ich jetzt nach Kirchhain? Gerade auf dem Weg zurück nach Wieseck, springt die Anzeigentafel um. Der Zug nach Kirchhain wird kommen – mit 10 minütiger Verspätung. Ich bin wieder im Rennen.

Tatsächlich erreiche ich die Startnummernausgabe rechtzeitig. Der Start wurde in der Ausschreibung des Veranstalters für 10:30 Uhr angesetzt. Um 10:15 Uhr soll die Mitteldistanz starten. Also bewege ich mich um diese Zeit in Richtung Toiletten und Umkleidraum, in dem mein Turnbeutel hängt. Doch so weit komme ich nicht, denn am Start sind bereits alle grünen Nummern aufgestellt. Es sieht so aus, als würde es gleich losgehen – und schon ertönt der Startschuss. Schnell werfe ich eine Trinkflasche zur Seite und eile hinterher. Darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Der ursprüngliche Plan sah es vor, vorne zu starten und mit der Spitze das Rennen zu bestimmen. Nun räume ich das Feld von hinten auf. Die Wege sind auf den ersten 2 km dankbar breit. Ich stampfe auf Anschlag in meine Pedale ein und fokussiere die Fahrer an der Spitze. Reiße ein großes Loch hinter mir. Riskiere alle meine Körner und habe damit Erfolg. Die Verfolgergruppe ist erreicht. Platz eins und zwei haben einen starken Vorsprung. Platz drei folgt ihnen. Über die freien Felder geblickt kann ich trotz der Anstrengung durchzählen. Befinde mich auf dem zehnten Platz. Die siebenköpfige Verfolgergruppe sprenge ich durch meine extreme Tempoverschärfung komplett auseinander. Nun sind wir zu viert. Mein Zustand ist unerklärlich. Ich sollte Tempo heraus nehmen, aber beschleunige immer weiter. Nur ein einziger Fahrer der Gruppe (Tim-David Wagner) kann meinen Attacken folgen. Wir beschließen zusammen zu arbeiten und kurbeln weiter in Richtung Platz drei – wo auch immer der ist. Zu Gesicht bekommen wir ihn (Markus Gerth) jedenfalls nicht. Dafür viele Fahrer der Mitteldistanz, die es uns in den technischen Abfahrten, schon früh im Rennen, schwer machen. Doch sie verhalten sich sehr rücksichtsvoll. Obwohl mein temporärer Teamkollege viele Infos zum Streckenverlauf preisgibt, erwischt er den stärkeren letzten Kilometer. Ich drehe mich um, bemerke die große Lücke und freue mich bereits auf den fünften Platz der Gesamtwertung. Mit einer Zielzeit von 48:05 Minuten trete ich zudem als Zweitplatzierter der Senioren 1 hinauf zur Siegerehrung. Stopfe mich zur Feier des Tages an der Zielverpflegung voll mit Streuselkuchen und alkoholfreiem isotonischen Bier.

Anschließend befestige ich meinen Turnbeutel mittels Spannriemen am Lenker, drücke vier Bar in die Reifen und fahre bei 33°C über Radwege zurück nach Gießen. Das waren weitere 51 km im gefühlten Rennmodus.

Foto: Matthias Steinberger

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