Radbekleidung im eigenen Design für Vereine, Sporveranstalter oder Privatleute

Ein Tag in der deutschen Radsport-Spitze

Deutsche Meisterschaft Straße

ERFURT – Der Fuldaer Marti Richter hat die Deutsche Meisterschaft der Elitefahrer für Radsportnachrichten.com aus ungewohnter Perspektive verfolgt: Im Begleitfahrzeug des Teams Christina Jewelry sammelte er mit Fotograf Christian Schell interessante Impressionen in Wort und Bild.

Der Fuldaer Straßenrad-Rennfahrer Marti Richter hat das Team Christina Jewelry Pro Cycling aus Stuttgart bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt im Begleitfahrzeug verfolgt.

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Radbekleidung im eigenen Design für Vereine, Sporveranstalter oder Privatleute

Das Team wird von Richters Arbeitgeber GripGrab gesponsert und hat ihn sowie den mittelhessischen Fotografen Christian Schell (www.cyclingpics.de) eingeladen, das Rennen aus dem Konvoi zu verfolgen. Entstanden ist ein interessanter Erlebnisbericht, der das Rennen einmal aus der Betreuer-Perspektive zeigt. (mari | Fotos: Christian Schell (www.cyclingpics.de))

Von Marti Richter

Es ist 18 Uhr und ich sitze in einer Pizzeria in der Erfurter Altstadt. Das Achtelfinale Deutschland gegen die Slowakei läuft. Während ich meine Pizza genieße, spielt sich vor meinem Auge der Tag nochmal ab. Es war ein langer Tag bei der Deutschen Meisterschaft Straße 2016.

Begonnen hat alles um 6 Uhr morgens – frühstücken, Sachen packen, anziehen, Mails checken und den Zug kriegen. In Erfurt angekommen treffe ich GripGrab-Media-Crew-Fotograf Christian Schell, mit dem ich auch letztes Jahr schon bei der DM in Bensheim war. Auf dem Weg zum Materialtruck von Christina Jewelry Pro Cycling, bei denen wir heute zu Gast sind, kommen wir am Bus von Lotto-Soudal vorbei. Hier bereiten sich nicht nur André Greipel und Marcel Sieberg auf ihr Rennen vor, der Bus ist für heute auch Ruhepol von Nils Politt (Kathusa) und Marcus Burghardt (BMC). Man hilft sich eben im Radsport. Doch noch ist von den Profis keine Spur, warum auch, es sind ja noch knapp zwei Stunden bis zum Startschuss. Am Christina Jewelry Materialtruck angekommen begrüßen wir Julian Rammler, den Team Manager.

Deutsche Meisterschaft Straße

Ganz dicht dran: Marti Richter (rechts), hier an der Seite des neuen Deutschen Meisters André Greipel, taucht für Radsportnachrichten.com einen Tag in den Profi-Radsport ein. Foto: Christian Schell (www.cyclingpics.de)

Bis letztes Jahr hießen sie noch Team Stuttgart, doch dann übernahm die dänische Juweliermarke Christina Jewelry das Titelsponsoring. Ihren Farben, gelb und schwarz, sind sich die Stuttgarter aber treu geblieben. Julian wartet noch auf seine Rennfahrer, die vom rund acht Kilometer entfernten Hotel direkt mit dem Rad nach Erfurt kommen werden. Ich bin beeindruckt – für ein KT Team, also ein Team in der dritten und untersten Profiliga, sind die Jungs ganz gut ausgestattet. Neben dem Truck stehen ihre Rennmaschinen, bereits perfekt vorbereitet mit Startnummer und Transponder. Auf dem Teamfahrzeug dann noch die Ersatzräder, eines für jeden der sieben Fahrer.

Nachdem die Rennfahrer in Erfurt angekommen sind, machen wir ein paar Fotos und begleiten die Jungs zur Teampräsentation. Danach stehen die letzten Vorbereitungen an – Trinkflaschen an die Räder, Radcomputer ranmachen, Funk einpacken und überprüfen. Dann geht’s los. Die Rennfahrer machen sich auf zur Startlinie, ich ins Begleitfahrzeug. Julian sitzt heute hinten rechts und macht den Mechaniker. Gefahren werden wir von Olaf Pollack, einem ehemaligen Profi, der das Team als Sportlicher Leiter mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützt. Es wird ein ruhiger Tag werden, wie ich später selbst erfahre. Das liegt vor allem an der Natur der Strecke – flach, viel geradeaus, breite Straßen. Während ich mich in Bensheim mit aller Kraft im Auto festgeklammert habe, vor allem in den Abfahrten, ist es heute ruhig.

Unser Auto hat die Nummer elf im Konvoi. Wir sind zwar nicht direkt hinter dem Peloton, aber haben dennoch einen einigermaßen guten Blick auf das Ende des Feldes. Während wir hinter dem Feld unsere Position beziehen und auf den Startschuss warten, müssen wir noch den Funk einstellen. Im Auto gibt es zwei Funkgeräte. Eins, mit dem der Sportliche Leiter mit seinen Fahrern kommunizieren kann, um beispielsweise auf Gefahren hinzuweisen, Abstände der Ausreißergruppe durchzugeben oder taktische Anweisungen zu geben. Das andere Funkgerät empfängt „Radio Tour“, den offiziellen Kanal der Rennjury. Und von eben dieser werden wir über den Kommissär begrüßt, als sich der Tross um 11:30 Uhr in Bewegung setzt. Es kommen einige Infos zum Rennen und zur Strecke, ein Dank die Organisatoren und das obligatorische „Abblendlicht einschalten“. Über den Tourfunk werden wir während des Rennens immer auf dem Laufenden gehalten, was im Rennen passiert. „Eine Gruppe mit vier Fahrern hat einen kleinen Vorsprung.“, tönt es aus dem Funk. „Die Nummern 57, 70, 120 und 167 haben zehn Sekunden auf das Feld“, bevor im nächsten Moment das Ende der Gruppe besiegelt wird. „Bora-Argon 18 passt das nicht, die Gruppe ist gestellt, das Feld wieder zusammen.“ So geht es erstmal immer wieder weiter. Es ist ein flaches und schnelles Rennen, prädestiniert für Sprinter, speziell konzipiert für den Arnstädter Marcel Kittel, der sich aber auf starke Konkurrenz in Form von André Greipel einstellen muss. Da die nächsten Runden heute vorhersehbar sind, unterhalten wir uns im Auto, mit einem Ohr immer beim Tourfunk, vielleicht hat ja doch einer unserer Fahrer einen Defekt. Olaf hat mir erzählt, dass er länger nicht mehr das Auto im Konvoi gefahren ist. „Bist du aufgeregt, oder angespannt?“, frage ich. Doch Olaf ist ganz gelassen. „Naja, wir haben heute einen Rundkurs und wissen, was auf uns zukommt. Das ist nicht so stressig. Man muss nicht ständig verkrampft den Anschluss halten wie bei einer Strecke mit Start und Ziel an unterschiedlichen Orten.“ In der Tat wirkt Olaf sehr entspannt.

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Das Rennen hinter dem Rennen: Im Konvoi der Materialfahrzeuge wird sich nach Verpflegung, Stürzen oder Defekten wieder nach vorne gearbeitet, wie der Blick aus dem Teamfahrzeug zeigt. Foto: Christian Schell (www.cyclingpics.de)

Das Kommissärmotorrad kommt vorbei, schaut uns ins Fenster. Olaf nickt – das Zeichen, dass wir den Tourfunk empfangen und verstehen. Das macht der Kommissär nun bei jedem Wagen, um sicherzustellen, dass alle Begleitfahrzeuge die Informationen und Anweisungen der Rennjury erhalten.

Es fahren nicht nur Teams aus allen drei Profiligen mit, sondern auch Amateur- und Bundesligateams. Wie der Respekt im Konvoi unter den einzelnen Teams sei, ob die Profis sich für was Besseres halten, frage ich Olaf. „Der Respekt untereinander ist schon hoch – die meisten der anderen Sportlichen Leiter hier kenne ich noch aus meiner Profikarriere. Außerdem sieht man sich immer zwei Mal im Leben, und du weißt nie, ob ein anderes Team deinem Fahrer nicht auch mal helfen muss.“ Und schon hatten wir einen Fahrer der Racing Students an der Stoßstange. Er hatte einen Defekt, bekam ein neues Laufrad von seinem Team und fuhr nun durch die Kolonne wieder nach vorn ins Feld. Wir nahmen ihn kurz mit, wie man sagt, und schon fuhr er wieder an uns vorbei, zum Wagen vor uns. Auto für Auto arbeitete er sich so durch den Konvoi und ans Ende des Pelotons. Olaf Pollack ist nicht der einzige ehemalige Profi am Steuer eines Begleitfahrzeugs. Neben uns fährt der Skoda von Lotto-Soudal. Am Steuer: André Korff, seinerzeit Teamkollege und Anfahrer im Sprint von Olaf.

Team Stuttgart, nun Christina Jewelry Pro Cycling, ist das Werk des Stuttgarters Julian Rammler, der Nachwuchsfahrer ausbilden und entwickeln will, ihnen die Chance ermöglichen, den Sprung nach oben zu schaffen. Ich weiß aus vielen Gesprächen mit Julian und anderen Teamleitern, wie viel Arbeit dahinter steckt, ein Radsportteam aufzubauen, zu führen und zu entwickeln. Ich frage Olaf und Julian, ob sie ein Vorbild haben, jemand, von dem sie sagen, dass er gute Arbeit geleistet hat und den sie als eine Art Leitfaden nennen. „Also, was Ralph Denk aufgebaut hat, finde ich schon stark. Erst mit kleineren Teams und dann mit NetApp. Und heute sind sie Pro-Conti mit Bora-Argon 18. Das ist bewundernswert.“, kommt es von Julian.

Die Strecke führt über eine Brücke aus Erfurt raus und biegt auf die darunterliegende Bundesstraße, die wir heute auf der Gegenfahrbahn unter die Reifen nehmen. Aus unserer Position im Konvoi sehen wir das Feld bereits auf der Bundesstraße unter uns, während wir den Fahrzeugen vor uns noch auf die Auffahrt folgen. Immer wieder gibt es kleine Grüppchen im Feld, dazwischen kleinere Lücken. Später sind die Rennfahrer wie an einer Perlenkette aufgereiht. Das Tempo ist hoch. Im Radsport erkennt man das immer daran, dass alle Rennfahrer auf der breitesten Straße dicht an den Rand gedrängt auf einem Zentimeter Straßenbreite Hinterrad an Hinterrad fahren. Darüber muss ich selber manchmal im Rennen schmunzeln, sofern dafür noch Energie über ist.

Deutsche Meisterschaft Straße

Fotograf Christian Schell freut sich auf dem Beifahrersitz des Teamfahrzeugs: Der Deutsche Meister ist ermittelt und die Bilder – einige Hundert an diesem Tag – sind auf den Speicherchip gebannt. Foto: Christian Schell (www.cyclingpics.de)

Die letzten vier Runden brechen an. „Christina Jewelry nach vorne bitte – Fahrer ruft nach Verpflegung.“ Kaum kam der Satz aus dem Funk, rasten wir auch schon links an der Autokolonne vorbei und reihten uns hinter dem Juryfahrzeug ein. Julian Schulze ließ sich aus dem Feld zurückfallen und fuhr nun neben uns. Olaf reichte ihm eine neue Flasche mit einem Gel durchs Fenster. „Willst du noch ’ne Cola? Ist gut jetzt auf den letzten Runden, nochmal wachsam bleiben!“, rief Olaf. „Danke, brauch ich nicht, alles gut.“, entgegnete Julian, ehe er sich auch wieder ins Feld bewegte.

Dann kommt die letzte Runde. Die Wetten stehen – Greipel oder Kittel? Als Sportler, der von meinem Arbeitgeber gesponsert wird, tippe ich natürlich auf Greipel, und sollte damit auch richtig liegen. Während die Rennfahrer ihren Sprint eröffnen, werden wir von der Strecke geleitet, zurück zu unserem Parkplatz. „Neuer Deutscher Meister: André Greipel. Er siegt im Sprint vor Max Walscheid und Marcel Kittel.“, werden wir ein letztes Mal von der Rennjury informiert. Am Truck angekommen verabschieden wir uns und ich mache mich auf in die Altstadt von Erfurt. Um 18 Uhr spielt Deutschland gegen die Slowakei, mein Zug fährt erst um 19:20 Uhr, da kann ich die erste Halbzeit noch mitnehmen.

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