Mit dem Bembelcrit auf neuen Wegen

FRANKFURT – Im Aufwind der Fahrradmesse Eurobike der Durchführung von Rundstrecken-Radrennen frischen Wind verleihen – das hatten sich die Macherinnen und Macher des Bembelcrit zum Ziel gesetzt. Was daraus entstanden ist, zeigt der Erlebnisbericht mit Video von Radsportnachrichten.com-Redaktionsleiter Stephan Dietel.

Wenn der Name eines Radrennens schon wegen der Art, wie er gemacht ist, perfekt zu passen scheint, muss viel Erfahrung in der Organisation vorhanden sein. Man kann dem ausrichtenden VC Frankfurt attestieren, ein Radrennen mit interessanter Mischung aus Traditionellem und Modernem ins Leben gerufen zu haben.

Und genau da wollten sie offensichtlich hin: „Im Herzen von Europa, liegt Frankfurt am Main. Eine Stadt der Gegensätze. Bankenviertel versus Bahnhofsviertel, Goethe versus Haftbefehl, Autostadt versus Fahrradfahrer, Afterwork Cocktails versus Ebbelwoi in Altsachs“, hieß es in der Einladung zur Veranstaltung.

Nicht alle Worte dieser sprachlichen Gegenüberstellung dürften auf Anhieb richtig einzuordnen zu sein. Und doch beschreiben sie genau, was der VC Frankfurt beim Bembelcrit auf dem Frankfurter Messegelände ins Rollen brachte: Die Kombination aus Bekanntem und Neuem. Die „Weltpremiere des Bembelcrit“, wie Streckensprecher Sebastian Paddags die Erstauflage betitelte, warf hier und da Fragen auf. Doch Paddags, oder „Paddi mit i“, wie er in der Radsportszene heißt, moderierte den Renntag mit Bravour. Dabei erklärte er auch Fachbegriffe, über die die Zuschauenden hätten stolpern können.

Des Bembels Lösung

Das Publikum war international, denn das Bembelcrit fand im Rahmen der Fahrradmesse Eurobike statt. Gäste aus 105 Nationen waren an den fünf Messetagen auf der Eurobike unterwegs – und zahlreiche kamen am Samstag (16.07.) auch an die Strecke des Bembelcrit. Für sie und weit gereiste Gäste im Feld der Teilnehmenden wechselte der Streckensprecher zeitweise zur englischen Sprache. Was sich hinter der Bezeichnung Bembelcrit versteckte, dürfte auch bei einigen Deutschsprechenden Fragen aufgeworfen haben. Wer aus Frankfurt kam, war in der Beantwortung dieser Frage am sichersten. Wer aus Hessen kam, oder nah an der südlichen Landesgrenze lebt, lieferte auch oft eine treffende Beschreibung der hessischen Tradition, die beim Bembelcrit im wörtlichen Sinne maßgeblich war. Wie groß das Rätselraten war, worum es sich bei einem Bembel handelt, zeigt unser Video.

YouTube-Video | 05:51 Minuten: Was ist ein Bembel? Bembelcrit auf der Eurobike | Grafik: Jan Heilenz, Bericht: Stephan Dietel.

Hessisches Kulturgut mit praktischen Vorteilen

Den Bembel, die dickbauchige Kanne aus Westerwälder Steinzeug, die in südhessischen Gaststätten zum Ausschenken von Apfelwein benutzt wird, zum Kern des Rennens zu machen, war ein gekonnter Einfall. Zur Auszeichnung der Podiumsplätze gab es eben diese hessischen Originale als Trophäen für Sportlerinnen und Sportler. Damit ließ sich super anstoßen und einen guten Schluck Apfelwein zur Belohnung trinken. Gefahren wurde zumindest in einem Teil der Rennen im Kriterium-Modus, dass heißt mit Punktesprints für den Tagessieg. Das erklärte auch den zweiten Teil der Wortkreation, das „Crit“ beim Bembelcrit.

Fachbegriffe und Verzicht auf große Experimente

Das Rennen schien über Nacht aufgetaucht zu sein: Dort, wo am Vorabend die letzten Besuchenden der Eurobike auf dem Heimweg schlenderten, war am nächsten Morgen Rennstrecke. Und tatsächlich: Die Strecke war über Nacht aufgebaut worden, erzählte Walter Wahl im Gespräch mit Radsportnachrichten.com. Der erfahrene Macher vom VC Frankfurt zählte mit Horst, Jacob, Julien und vielen anderen Frauen und Männern zum Organisationsteam des Bembelcrit, das in Perfektion zeigte, wie man Jahrzehnte lange Erfahrung und Neuerungen vereinen kann. Dass es mitunter mal stressig war, merkte man den Helferinnen und Helfern nicht an. Dazu dürfte auch die Musik beigetragen haben, für die man eigens einen DJ engagiert hatte. Und auch er bot moderne Klänge, die er aus historisch wirkenden Schalplatten erzeugte. Er war ebenso eine gute Wahl, wie Streckensprecher Sebastian Paddags, den viele auch als Videocreator von der Internet-Plattform YouTube kennen. Er hatte dem Publikum, das beim Messebesuch zum Teil zufällig auf das Radrennen traf, einige Fachbegriffe zu erklären. „Flamme Rouge“ und „8000Watt“, die das Rennen durchzuführen halfen, den Teamnamen „54×11“ von Sieger Florian Obersteiner im Kriteriumrennen der Männer und vor allem „Fixies“. Die Räder mit starrer Nabe, nur einem Gang und ohne Bremsen verliehen dem Bembelcrit frischen Wind und die Teilnehmenden machten es bunt.

Die Frauen fuhren ein Ausscheidungsfahren und durften danach nochmal mit den Männern ins Rennen, das dann auf Endspurt ausgefahren wurde. Es war ein großer Teil des Rezepts vom VC Frankfurt, der traditionellen Machart von Rundstreckenrennen etwas Frische zu verleihen. „Kriterium Rennen im Amateur Bereich sind zwar eine feine Sache, aber so langsam wird’s auch hier Zeit für Veränderung“, hieß es in der Einladung und im ersten Jahr solle es „keine großen Experimente“ geben. Genau das scheint dem VC Frankfurt und seinen Unterstützern mit Fingerspitzengefühl gelungen – die Kombination von Vertrautem und Neuem zu einer unterhaltsamen Weiterentwicklung. Das macht neugierig, wie es damit weitergehen mag.

Ergebnisse (Auszug)

Jedermann

1. Moritz Palm, Team Strassacker
2. Ben Witt, Team Strassacker
3. Andreas Schmidt, RSC 1926 Offenbach Bürgel

Jederfrau

1. Elena Holl
2. Mara Becker, RSV Heidelberg
3. Tanja Liepol

Elite Frauen

1. Svenja Betz, IBCT
2. Lisa Kromm, Team Baden Forchheim
3. Daniela Gaß, Equeno Wase Cycling Team

Elite Männer

1 Florian Obersteiner, Team 54×11
2. Florenz Knauer, Team 54×11
3. Benedikt Helbig, Team Embrace the World Cycling

Fixed Women’s

1. Paola Panzeri, System Cars – Look – Comense 1887
2. Wiebke Mros, DOitNAU
3. Yasmine Hildebrand, play.it.by.gear

Fixed Women’s Elimination

1. Paola Panzeri, System Cars – Look -Comense 1887
2. Jasmin Corso, ZG Kassel
3. Wiebke Mros, DOitNAU

Weitere Ergebnisse findet ihr hier.

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Profilfoto Stephan Dietel Radsportnachrichten
Stephan Dietel
Gründer | Redaktionsleitung | CvD | Ressortleitung Straße | Leitung Multimediaredaktion | sd@radsportnachrichten.com

Er wohnt im Gießener Ortsteil Rödgen und legte im Jahr 2001 mit Erlebnisberichten über selbst gefahrene Radrennen den Grundstein. Mit großem Interesse am Radsport und am Journalismus entwickelt er mit seinem Team die Radsportnachrichten aus Mittelhessen immer weiter.

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